Ernst und prüfend betrachtete er nochmals seine Zuhörerinnen.

„Sie ärgern sich doch nicht aus irgendeinem Grunde über mich?“ fragte er plötzlich, offenbar etwas verwirrt, doch blickte er dabei allen offen in die Augen.

„Weshalb?“ Alle drei Mädchen wunderten sich über seine plötzliche Frage.

„Nun, weil es doch so den Anschein hat, als wolle ich belehren ...“

Da brachen sie von neuem in Lachen aus.

„Wenn Sie mir böse sind, so ... tragen Sie es mir nicht nach,“ bat er. „Ich weiß es ja selbst, daß ich weniger als alle anderen gelebt habe und weniger als alle vom Leben verstehe. Ich spreche mitunter vielleicht sehr sonderbar ...“

Und der Fürst verstummte, nun wirklich verwirrt.

„Wenn Sie sagen, daß Sie glücklich gewesen sind, so haben Sie nicht weniger, sondern mehr gelebt – weshalb verstellen Sie sich dann und entschuldigen sich?“ fragte Aglaja streng, fast händelsüchtig. „Und beunruhigen Sie sich nicht darüber, daß Sie uns belehren, hier kann von einem Triumph Ihrerseits gar nicht die Rede sein. Mit Ihrem Quietismus kann man auch ein Leben von hundert Jahren mit Glück ausfüllen. Ihnen kann man eine Hinrichtung zeigen oder einen kleinen Finger, Sie werden aus dem einen wie aus dem anderen einen gleich lobenswerten Schluß ziehen und überdies noch sehr zufrieden sein. So kann man schon leben.“

„Weshalb ärgerst du dich wieder – das versteh’ ich nicht!“ unterbrach sie die Generalin, die schon längere Zeit verwundert die Gesichter der Sprechenden betrachtet hatte, „und wovon ihr redet, kann ich überhaupt nicht begreifen. Was soll dieser kleine Finger? – Und dieser ganze Unsinn? Der Fürst spricht vorzüglich, nur ein wenig traurig. Weshalb entmutigst du ihn? Als er zu erzählen begann, lachte er noch, jetzt aber hast du ihn ganz verwirrt gemacht.“

„Tut nichts, maman. Schade, daß Sie keine Hinrichtung gesehen haben, Fürst, ich würde Sie sonst etwas gefragt haben.“