„Ich habe eine Hinrichtung gesehen,“ antwortete der Fürst.

„Ja??“ fragte Aglaja ganz überrascht. „Eigentlich hätte ich es mir denken können! Das ist nun das Letzte, das fehlte noch! Aber wenn Sie eine Hinrichtung gesehen haben, wie können Sie dann sagen, daß Sie die ganze Zeit glücklich gewesen sind? Nun, hab’ ich nicht recht?“

„Wurde denn auch in Ihrem Dorf hingerichtet?“ fragte Adelaida.

„Nein, ich habe in Lyon eine Hinrichtung gesehen. Ich war mit Professor Schneider hingefahren, er nahm mich mit. Als wir ankamen, gerieten wir gerade auf den Platz ...“

„Nun, und es gefiel Ihnen sehr? Es enthielt wohl viel Erbauliches, Nützliches?“ fragte Aglaja.

„Es gefiel mir durchaus nicht und ich war nachher krank, aber ich muß gestehen, daß ich wie gebannt hinsah, ich konnte meinen Blick nicht losreißen.“

„Auch ich hätte meinen Blick nicht losreißen können,“ sagte Aglaja.

„Dort sieht man es sehr ungern, wenn Frauen einer Hinrichtung beiwohnen, sogar in den Zeitungen wird dann dagegen geschrieben.“

„Das heißt also, daß man es nicht für eine Frauensache hält, sondern nur für eine Männersache, und damit will man’s rechtfertigen. Ich gratuliere zu dieser Logik. Und Sie sind natürlich derselben Ansicht.“

„Erzählen Sie uns von jener Hinrichtung,“ unterbrach Adelaida die Schwester.