„Ich wiederhole es Ihnen – nein.“
„Ja, aber woher denn ... Teufel ... Ach, zum! ... Aber hat Aglaja den Brief nicht der Alten gezeigt?“
„Nein, sie hat ihn ihr nicht gezeigt. Dessen kann ich Sie vollkommen versichern. Ich war die ganze Zeit nachher zugegen, so daß ich es unfehlbar gesehen hätte.“
„Aber vielleicht haben Sie selbst irgend etwas bemerkt ... Oh, dieser ver-r-rdammte Idiot,“ knirschte er außer sich – diesmal ganz laut – „nicht einmal zu erzählen versteht er etwas!“
Ganjä, der einmal ins Schimpfen hineingekommen war, hatte allmählich, wie das oft mit solchen Menschen geschieht, jede Zurückhaltung verloren. Es fehlte vielleicht nicht mehr viel, und er hätte den Fürsten vor Wut angespien. Doch gerade diese Wut blendete ihn; denn sonst hätte er schon längst bemerkt, daß dieser „Idiot“, den er so beleidigend behandelte, sehr schnell und sehr feinfühlig alles begriff und es ungewöhnlich treffend wiederzugeben verstand. Doch da geschah mit einem Male etwas ganz Unerwartetes.
„Ich muß Ihnen sagen, Gawrila Ardalionytsch,“ sagte plötzlich der Fürst, „daß ich früher allerdings so krank war, daß man mich in der Tat fast als einen Idioten bezeichnen konnte. Jetzt aber bin ich schon lange geheilt, und daher ist es mir etwas unangenehm, wenn man mich so einfach, ins Gesicht, einen Idioten nennt. Zwar kann man Sie, in Anbetracht Ihrer Mißerfolge, noch entschuldigen, doch haben Sie mich in Ihrem Ärger zweimal beschimpft. Dem will ich mich nun in der Folge nicht mehr aussetzen; es ist mir, wie gesagt, sehr unangenehm, zumal es so bald geschehen ist, nachdem wir uns kaum kennen gelernt haben. Wäre es deshalb nicht besser – wir sind hier gerade an einer Straßenkreuzung – wenn wir jetzt auseinandergingen: Sie nach rechts, und ich nach links? Ich bin im Besitz von fünfundzwanzig Rubeln und werde sicher Unterkunft in irgendeinem Hôtel garni finden.“
Ganjä machte ein entsetzlich betretenes Gesicht und wurde dunkelrot vor Scham – die Zurechtweisung kam ihm gar zu unerwartet.
„Verzeihen Sie, Fürst,“ rief er glühend aus – sein soeben noch äußerst beleidigender Ton hatte sich schnell in einen äußerst höflichen verwandelt, „um Gottes willen, verzeihen Sie! Sie sehen, in welch einer Lage ich mich befinde! Und dabei wissen Sie noch nicht einmal alles; wenn Sie aber alles wüßten, würden Sie mich vielleicht ein wenig entschuldigen, obschon ich, versteht sich, nicht mehr zu entschuldigen bin ...“
„Oh, so große Entschuldigungen verlange ich ja gar nicht,“ unterbrach ihn der Fürst, „ich verstehe ja nur zu gut, wie unangenehm Ihnen das alles sein muß, nur deshalb fluchen und schimpfen Sie so. Nun, gehen wir also zu Ihnen. Es wird mir ein Vergnügen sein ...“
„Nein, so kann man ihn nicht fortgehen lassen,“ dachte Ganjä bei sich mit einem gehässigen Seitenblick auf den Fürsten. „Dieser Spitzbube hat als Idiot zuerst alles aus mir herausgeholt, um dann die Maske abzunehmen ... Das hat etwas zu bedeuten. Nun, wir werden ja sehen, jetzt muß sich alles entscheiden, alles, alles! Und noch heute!“