„Aber erlauben Sie, wie ist denn das?“ begann plötzlich Nastassja Filippowna, „vor fünf oder sechs Tagen habe ich in der Zeitung genau dieselbe Geschichte gelesen! Es war auf ein Haar dieselbe! Sie hatte sich am Rhein in einem Eisenbahncoupé zwischen einem Franzosen und einer Engländerin zugetragen: genau so hatte sie ihm die Zigarre aus der Hand gerissen, genau so hatte er ihr Hündchen aus dem Fenster geworfen, und genau so hatte es auch zwischen ihnen geendet. Sogar das hellblaue Kleid stimmt mit dem Bericht der Zeitung überein!“

Der General wurde über und über rot, und auch Koljä errötete und bedeckte vor Scham das Gesicht mit den Händen. Ptizyn wandte sich schnell ab. Nur Ferdyschtschenko lachte. Ganjä aber stand und ertrug stumm seine unerträgliche Qual.

„Ich ... ich kann Sie versichern,“ stotterte der General, „daß auch mir genau dasselbe passiert ist ...“

„Papa hatte wirklich einmal eine Unannehmlichkeit mit Mrs. Smith, der Gouvernante von Bjelokonskijs,“ rief Koljä dazwischen, „ich entsinne mich dessen noch sehr gut.“

„Wie! Ein und dieselbe Geschichte sollte an zwei verschiedenen Punkten Europas sich mit einer solchen Übereinstimmung aller Einzelheiten zutragen? Auch die Dame am Rhein hatte ein hellblaues Kleid!“ fuhr Nastassja Filippowna erbarmungslos fort. „Aber ich werde Ihnen doch die Zeitung – zuschicken!“

„Vergessen Sie nur nicht,“ bemerkte der General, „daß die Geschichte mir zwei Jahre früher passiert ist!“

„Ah, so, richtig, das wäre dann doch wenigstens ein Unterschied!“ Und Nastassja Filippowna lachte hellauf.

„Papa, ich bitte Sie, auf zwei Worte mit mir hinauszukommen,“ sagte jetzt mit zitternder, gequälter Stimme Ganjä, der den Vater mechanisch an der Schulter faßte.

In seinen Augen lag grenzenloser Haß.

Da ertönte plötzlich und jetzt erschreckend laut die Glocke im Vorzimmer. Ein Wunder, daß der Klingelzug nicht abgerissen wurde! Es mußte ein besonderer Besuch sein. Koljä eilte hinaus, um zu öffnen.