„Seht doch, irgendwo zusammengekommen zu sein! Ich habe an dich ja doch noch vor drei Monaten zweihundert Rubel von meines Vaters Geld verspielt, der Alte ist darüber gestorben, ohne was davon zu erfahren. Du hattest mich doch selbst hingeschleppt! Fix zog er mir dann das Fell über die Ohren mit seiner Falschspielerei! Erkennst mich nicht? Ptizyn war Zeuge! Ich brauch’ dir ja nur drei Rubel zu zeigen, hier aus der Tasche zu nehmen und dir zu zeigen, und du wirst auf allen vieren bis zum Wassiljewskij Prospekt ihnen nachkriechen, – sieh, so einer bist du! Wer deine Seele nicht kennt! Ich bin jetzt auch gekommen, um dich für Geld zu kaufen, Leib und Seele kaufe ich dir ab; du sieh nicht darauf, daß ich mit solchen Stiefeln hereingekommen bin, ich hab’ jetzt viel Geld, Bruder, kaufe dich mitsamt deinem ganzen Leben ... wenn ich will, kauf’ ich euch alle! Kaufe alles!“ phantasierte Rogoshin, der plötzlich wie trunken erschien. „A–ach!“ seufzte er dann laut, „Nastassja Filippowna! Jagen Sie mich nicht fort, sagen Sie nur ein einziges Wort: lassen Sie sich mit ihm trauen oder nicht?“
Rogoshin stellte seine Frage wie in Verzweiflung, wie an eine Gottheit, gleichzeitig jedoch mit dem Stolz eines zum Tode Verurteilten, der nichts mehr zu verlieren hat. Und mit diesem Todesgefühl erwartete er die Antwort.
Nastassja Filippowna maß ihn mit einem spöttischen und hochmütigen Blick, doch dann blickte sie auf Warjä und Nina Alexandrowna, blickte auf Ganjä – und plötzlich veränderte sie ihren Ton.
„Durchaus nicht, wie kommen Sie darauf? Und wie kommen Sie dazu, diese Frage an mich zu stellen?“ fragte sie leise und ernst und scheinbar mit einer gewissen Verwunderung.
„Nein? Nein!!“ schrie Rogoshin fast rasend vor Freude. „Also doch nicht?! Und mir sagte man ... Ach! Nu! ... Nastassja Filippowna! Alle sagten, Sie hätten sich mit Ganjka verlobt! Mit dem da? Ist denn das überhaupt möglich? – Ich hab’s denen doch gleich gesagt! – Ich kaufe ihn ja doch mit Leib und Seele, so wie er da ist, für hundert Rubel! Gebe ihm tausend, nun, er wird noch am Tage vor der Hochzeit fortlaufen und die Braut mir überlassen. Was, hab’ ich nicht recht, Ganjka, Schuft? Würdest doch dreitausend mit Freuden nehmen! Hier sind sie, hier, sieh! Darum bin ich ja gekommen, um’s von dir schriftlich zu haben! Hab’ gesagt: ich kauf’ ihn, – ich kauf’ ihn mir!“
„Mach’, daß du fortkommst, hinaus! Besoffen bist du!“ schrie ihn Ganjä an, der abwechselnd bleich und rot wurde. Doch kaum war seine Stimme verhallt, als plötzlich durch die ganze Rotte Rogoshins eine Bewegung ging und mehrere Stimmen laut wurden. Lebedeff flüsterte eilig und eifrig Rogoshin etwas ins Ohr.
„Du hast recht, Alter!“ sagte Rogoshin auf sein Geflüster, „hast recht, betrunkene Seele! Ach, wer wagt, gewinnt! Nastassja Filippowna!“ rief er wie ein Halbwahnsinniger aus, offenbar mit Furcht im Herzen, doch plötzlich sich bis zur Frechheit erkühnend, „– hier sind achtzehn Tausend!“ Und er warf gleichzeitig ein in weißes Papier eingewickeltes und kreuzweise mit einer Schnur umbundenes Päckchen vor sie hin auf den Tisch. „Da! Und ... und es wird noch mehr geben!“
Doch wagte er nicht auszusprechen, was er von ihr wollte ...
„Nich-nich-nicht!“ flüsterte ihm erschrocken Lebedeff zu, mit wahrhaft entsetztem Gesicht.
Es war leicht zu erraten, daß ihn die Höhe der gebotenen Summe erschreckte und er zureden wollte, zu Anfang viel weniger zu bieten.