„Oh, wie werden Sie das bereuen!“
Ganjä stand allerdings wie vernichtet da. Koljä stürzte zum Fürsten, den er heiß umarmte und küßte; nach ihm drängten sich Rogoshin, Warjä, Ptizyn, Nina Alexandrowna, kurz – alle, sogar der alte Ardalion Alexandrowitsch, zum Fürsten, der sich ihnen nun wieder zuwandte und sie mit demselben rätselhaften Lächeln beruhigte:
„Nichts, nichts, es ist wirklich nichts!“
„Und er wird’s auch bereuen!“ rief Rogoshin ärgerlich. „Wirst dich schämen, Ganjka, daß du ein solches ... Lamm (er konnte kein anderes Wort finden) beleidigt hast! Fürst, du meine Seele, laß sie laufen! Speie sie an – und gehen wir! Komm, sollst erfahren, wie Rogoshin liebt!“
Nastassja Filippowna war gleichfalls durch Ganjäs Tat und die Antwort des Fürsten erschüttert. Ihr stets bleiches Gesicht, das so wenig mit ihrem gezwungen heiteren Lachen übereinstimmte, war jetzt augenscheinlich durch ein neues Gefühl erregt; dennoch schien sie es nicht zeigen und sich zwingen zu wollen, das spöttische Lächeln beizubehalten.
„Nein, wirklich, irgendwo habe ich dieses Gesicht doch schon gesehen?“ wiederholte sie mit einemmal ganz ernst, sich wieder ihrer Frage entsinnend.
„Und Sie schämen sich nicht! Sind Sie denn so, wie Sie sich hier gezeigt haben? Ist denn das möglich!“ rief ihr plötzlich der Fürst mit erschütterndem Vorwurf zu.
Nastassja Filippowna stutzte, lächelte spöttisch – doch schien sie hinter diesem Lächeln etwas verbergen zu wollen, wenigstens sah man ihm ihre Verwirrung an – blickte sich dann nach Ganjä um und verließ das Zimmer. Doch noch war sie nicht bis ins Vorzimmer gekommen, als sie plötzlich zurückkehrte, eilig auf Nina Alexandrowna zutrat, ihre Hand ergriff und an die Lippen führte.
„Ich bin ja wirklich nicht so, er hat es erraten,“ flüsterte sie schnell und erregt, während ihr das Blut heiß ins Gesicht stieg, doch schon hatte sie sich abgewandt und verließ diesmal so schnell das Zimmer, daß niemand begriff, weshalb sie zurückgekommen war. Man hatte nur gesehen, daß sie Nina Alexandrowna etwas zugeflüstert und ihr die Hand geküßt hatte. Deren Blick folgte erstaunt Nastassja Filippowna.
Ganjä besann sich und eilte ihr nach, doch sie war bereits auf der Treppe.