„Sieh, volle zehn Rubel hat sie gegeben!“ flüsterte jemand in der Volksmenge.
„Ihre Hand, bitte,“ stammelte wieder die Kniende, die mit den Fingern der linken Hand den Schein nur an einem Eckchen krampfhaft festhielt, während der Windzug ihn bewegte.
Warwara Petrowna runzelte aus einem unbekannten Grunde ein wenig die Stirn, reichte jedoch mit ernster, strenger Miene ihre Hand hin: die Unglückliche küßte sie andächtig. Ihr dankbarer Blick leuchtete jetzt geradezu wie in Seligkeit auf.
Und gerade in diesem Augenblick kam die Gouverneurin, strömte die ganze Schar unserer Damen und höheren Würdenträger dem Ausgang zu. Die Gouverneurin mußte vor dem Gedränge am Portal stehen bleiben und ein wenig warten, und die anderen folgten ihrem Beispiel.
„Sie zittern ja, Sie haben wohl kalt?“ fragte plötzlich Warwara Petrowna, warf sofort ihren Mantel ab, den der Diener auffing, und zog von ihren Schultern einen schwarzen (keineswegs billigen) Schal, den sie eigenhändig um den entblößten Hals der immer noch vor ihr Knienden schlang.
„Aber so stehen Sie doch auf, stehen Sie auf, ich bitte Sie!“
Diese erhob sich.
„Wo wohnen Sie? Weiß denn hier wirklich niemand, wo sie wohnt?“ wandte sich Warwara Petrowna wieder ungeduldig an die Umstehenden.
„Ich glaube, das ist die Lebädkin,“ meinte schließlich jemand – es war das unser ehrenwerter Kaufmann Andrejeff: ein Mann mit langem Bart, einer in Silber gefaßten Brille und in russischer Tracht. Seinen runden Filzhut hielt er jetzt in der Hand. „Die wohnen bei Filippoff in der Bogojawlenskstraße,“ fügte er hinzu.
„Lebädkin? Bei Filippoff? Ich habe den Namen gehört ... Ich danke Ihnen, Nikon Semjonytsch, aber wer ist dieser Lebädkin?“