„Tante,“ fragte sie darauf mit einem leichtsinnigen Ausdruck von Koketterie, „Tante, sind Sie mir vielleicht böse?“

„Wa–as?“ Warwara Petrowna richtete sich kerzengrade in ihrem Sessel auf. „Was für eine Tante –? Wie meinten Sie das?“

Marja Timofejewna hatte offenbar einen solchen Zorn nicht erwartet: ein Zittern erschütterte sie förmlich und sie drückte sich angstvoll an die Stuhllehne. „Ich ... ich dachte ..., daß man so – muß,“ flüsterte sie, den Blick starr auf Warwara Petrowna gerichtet. „Lisa hat Sie auch so genannt.“

„Was für eine Lisa?“

„Da, dort, dieses Fräulein!“ sagte Marja Timofejewna und wies mit dem Zeigefinger auf Lisaweta Nicolajewna.

„So ist die für Sie schon zur Lisa geworden?“

„Sie haben sie doch vorhin selbst so genannt.“ Marja Timofejewna faßte Mut. „Und im Traume habe ich genau solch eine Schönheit gesehen,“ und sie lachte gleichsam unwillkürlich.

Warwara Petrowna dachte einen Augenblick nach und wurde ersichtlich ruhiger: ja, sie lächelte sogar über Marja Timofejewnas letzte Bemerkung. Als diese aber das Lächeln bemerkte, stand sie auf und trat mit schüchternem Ausdruck hinkend auf sie zu.

„Bitte, nehmen Sie, ich vergaß ganz, das Tuch Ihnen zurückzugeben, seien Sie mir nicht böse –“ und sie nahm den Schal, den ihr Warwara Petrowna in der Kirche umgelegt hatte, von den Schultern.

„Nehmen Sie ihn sofort wieder um und behalten Sie ihn ganz. Setzen Sie sich! Trinken Sie Ihren Kaffee, und fürchten Sie sich bitte nicht vor mir, meine Liebe! Ich fange schon an, Sie zu verstehen.“