„Wenn Nicolai Wszewolodowitsch sich in dieser Angelegenheit nicht einmal an mich, seine Mutter, gewandt hat,“ sagte sie ernst und offenbar sich an alle Anwesenden wendend, obwohl sie dabei Darja Pawlowna allein ansah – „wenn er vielmehr dich um diese Gefälligkeit gebeten hat, so wird er auch bestimmt seine Gründe dazu gehabt haben. Ich halte mich also gar nicht für berechtigt, weiter nach ihnen zu forschen. Und schon, daß du dabei beteiligt bist, das beruhigt mich vollkommen. Das sollst du vor allem einmal wissen, Dascha. Aber sieh, meine Liebe, du hast vielleicht doch eine Unvorsichtigkeit begangen. Mit reinem Gewissen. Einfach aus Lebensunkenntnis. Ich meine: allein schon, daß du mit diesem Menschen in Berührung gekommen bist. Und was er jetzt über dich herumerzählt, bestätigt es ja. Doch ich bin nicht umsonst deine Beschützerin. Ich werde dich schon zu verteidigen wissen. – Aber jetzt muß man alledem ein Ende machen ...“
„Am besten ist,“ fiel Marja Timofejewna ihr ins Wort, „Sie schicken ihn, wenn er selbst zu Ihnen kommt, einfach in die Dienerstube, dort kann er dann Karten spielen und wir können hier sitzen und Kaffee trinken. Ein Täßchen kann man ja auch ihm schicken, aber sonst verachte ich ihn tief!“ und sie nickte ausdrucksvoll mit dem Kopf.
„Dem muß man ein Ende machen,“ wiederholte Warwara Petrowna, nachdem sie ihr aufmerksam zugehört hatte. „Stepan Trophimowitsch, bitte klingeln Sie.“
Stepan Trophimowitsch klingelte, trat aber plötzlich erregt vor.
„Wenn ... wenn ich ... wenn ich auch die widerlichste Novelle, oder besser – schändlichste Verleumdung gehört habe ... mit dem allergrößten Unwillen ... enfin, c’est un homme perdu et quelque chose comme un forçat évadé.“[91]
Er brach ab. Warwara Petrowna maß ihn mit zugekniffenen Augen vom Kopf bis zu den Füßen. Doch schon gleich darauf trat ihr würdevoller Diener, Alexei Jegorowitsch, ein.
„Die Equipage!“ befahl Warwara Petrowna. „Du wirst Fräulein Lebädkina nach Hause begleiten.“
„Herr Lebädkin wartet unten bereits seit einiger Zeit auf sie und hat sehr gebeten, ihn anzumelden.“
„Das ist unmöglich, Warwara Petrowna,“ sagte, plötzlich vortretend, Mawrikij Nicolajewitsch, der bis dahin unerschütterlich geschwiegen hatte. „Sie erlauben, aber das ist kein Mensch, den man in der Gesellschaft empfangen kann. Das ... das ist ... mit einem Wort, das ist unmöglich, Warwara Petrowna.“
„Warten, er soll warten!“ wandte sich diese an den Diener, der sofort verschwand.