„Stawrogin?“ fragte Kirilloff, ohne die geringste Verwunderung über den unerwarteten Besuch, zog seine Hand mit dem Ball unter dem Schrank hervor und erhob sich. „Wollen Sie Tee?“

„Mit dem größten Vergnügen, wenn er warm ist, ich bin ganz durchnäßt.“

„Warm, sogar heiß,“ sagte Kirilloff mit Vergnügen, nachdem er sich davon überzeugt hatte. „Setzen Sie sich. Sie sind schmutzig, tut nichts. Ich kann’s später mit einem nassen Tuch ...“

Stawrogin setzte sich und trank fast auf einen Zug die eingegossene Tasse Tee aus.

„Noch?“

„Nein, danke.“

Kirilloff, der bis dahin gestanden hatte, setzte sich sogleich und fragte: „Wozu sind Sie gekommen?“

„Bitte, lesen Sie diesen Brief. Er ist von Gaganoff. Sie werden sich entsinnen, ich habe Ihnen von ihm schon in Petersburg erzählt.“

Kirilloff nahm den Brief, las ihn durch, legte ihn darauf wieder auf den Tisch und sah Stawrogin erwartungsvoll an.

„Mit diesem Gaganoff,“ erklärte Nicolai Wszewolodowitsch, „bin ich, wie Sie wissen, zum ersten Male in Petersburg vor kaum einem Monat zusammengetroffen, und dann sind wir uns noch ungefähr dreimal in der Gesellschaft begegnet. Wir wurden einander nicht vorgestellt, sprachen auch nicht miteinander und doch fand er Gelegenheit, sich ungezogen mir gegenüber zu benehmen. Ich habe Ihnen das ja damals alles erzählt. Doch was Sie nicht wissen, ist folgendes. Als er darauf Petersburg, noch vor mir, verließ, schrieb er mir einen Brief, der zwar noch nicht so beleidigend war, wie dieser hier, aber doch schon einen durchaus unzulässigen Ton hatte. Dabei stand mit keinem einzigen Worte darin, warum der Brief eigentlich geschrieben worden war. Ich antwortete ihm sofort und erklärte ihm ganz offenherzig, daß ich ‚da es sich wohl um den Vorfall mit seinem Vater vor vier Jahren hier im Klub handeln werde‘, – daß ich meinerseits durchaus bereit sei, ihm noch nachträglich meine Entschuldigung zu machen, einfach aus dem Grunde, weil meine Handlung damals im Krankheitszustande geschehen sei. Er antwortete mir nichts darauf und reiste irgendwohin fort. Nun komme ich hierher und finde ihn hier in einer wahren Tollwut auf mich. Man hat mir öffentliche Äußerungen von ihm mitgeteilt, die regelrechte Beschimpfungen sind, dazu die unglaublichsten Anschuldigungen. Und heute erhalte ich diesen Brief, – einen ähnlichen hat wohl noch nie jemand geschrieben! Mit Ausdrücken wie zum Beispiel ‚Ihre geschlagene Fratze‘. – Ich bin nun zu Ihnen gekommen, da ich hoffe, daß Sie mir nicht abschlagen werden, mein Sekundant zu sein?“