„Das Geld schickten! Warten Sie einen Augenblick,“ unterbrach ihn Schatoff, zog eilig das Schubfach des Tisches auf und suchte unter einem Stoß von Papieren einen Hundertrubelschein hervor. „Hier, bitte, nehmen Sie die hundert Rubel wieder, die Sie mir schickten, ohne Sie wäre ich dort umgekommen. Ich würde Ihnen die Summe noch lange nicht zurückgeben können, ... wenn nicht Ihre Mutter diese hundert Rubel vor neun Monaten ... nach meiner Krankheit ... mir meiner Armut wegen geschenkt hätte. Doch fahren Sie fort, bitte ...“

Schatoff war vor Aufregung ganz atemlos.

„In Amerika änderten Sie dann Ihre Anschauungen, und als Sie nach der Schweiz zurückgekehrt waren, wollten Sie sich vom Bunde lossagen. Man antwortete Ihnen nicht, sondern beauftragte Sie, hier in Rußland von irgend jemandem eine Setzmaschine in Empfang zu nehmen und sie so lange aufzubewahren, bis eine von jenen beauftragte Person sie Ihnen wieder abnehmen würde. Ich bin nicht über alle Einzelheiten unterrichtet, doch in der Hauptsache verhält es sich so, nicht wahr? Sie aber nahmen den Auftrag unter der Bedingung oder vielleicht auch nur in der Hoffnung an, daß es – deren letzte Forderung sei, und Sie dann endgültig frei wären. Alles das habe ich nicht von jenen, sondern ganz zufällig erfahren. Ich möchte Sie nun auf eines aufmerksam machen, was Sie noch nicht zu wissen scheinen: daß nämlich jene Leute durchaus nicht die Absicht haben, Sie freizugeben.“

„Das ist unmöglich!“ brüllte Schatoff auf. „Ich habe ihnen ehrlich erklärt, daß ich geistig nichts mehr mit ihnen gemein habe! Das ist mein Recht, das Recht meines Gewissens und meiner Überzeugung ... Ich werde das nicht dulden! Es gibt keine Macht, die ...“

„Wissen Sie, schreien Sie lieber nicht so,“ fiel ihm Stawrogin sehr ernst ins Wort. „Dieser Werchowenski ist ein Mensch, der vielleicht in diesem Augenblick hier auf Ihrem Treppenflur zuhört, wenn nicht mit eigenen, so doch mit fremden Ohren, – was sich ja schließlich gleich bleibt. Sogar der ewig betrunkene Lebädkin war verpflichtet, Sie zu beobachten, und Sie mußten vielleicht wiederum auf ihn aufpassen, – war’s nicht so? Übrigens, sagen Sie mir lieber, hat sich Werchowenski jetzt mit Ihren Argumenten einverstanden erklärt, oder nicht?“

„Er war einverstanden: er sagte, ich könne – und ich hätte das Recht ...“

„Nun, dann betrügt er Sie. Ich weiß genau, daß sogar Kirilloff, der beinahe überhaupt nicht zu ihnen gehört, beauftragt war, Nachrichten über Sie zu schicken. Agenten haben sie in Mengen, und viele wissen es nicht einmal, daß sie dem Verbande dienen. Auf Sie hat man beständig aufgepaßt. Pjotr Stepanowitsch ist unter anderem auch deshalb hergekommen, um Ihre Angelegenheit endgültig zu erledigen: da Sie zu viel wissen und vielleicht sie alle verraten könnten, hat er die Vollmacht, Sie in einem passenden Augenblick zu beseitigen. Erlauben Sie mir, zu bemerken, daß jene die feste Überzeugung haben, daß Sie ein Spion sind, der, wenn er auch bis jetzt noch nichts verraten hat, es doch bestimmt tun wird. Ist das wahr?“ fragte Stawrogin in einem ruhigen, ganz gewöhnlichen Tone.

Schatoff verzog den Mund, als er eine solche Frage in einem solchen Tone hörte.

„Und wenn ich ein Spion wäre – wem sollte ich denn etwas verraten?“ fragte er hämisch zurück. „Nein, lassen Sie das! Zum Teufel mit mir! Aber Sie!“ rief er aus, sich plötzlich von neuem auf die Nachricht stürzend, die Stawrogin betraf, und die ihn sichtlich weit mehr erschüttert hatte, als die von seiner eigenen Gefahr. „Aber Sie, Sie, Stawrogin, wie konnten Sie sich in eine so schamlose, geistlose Knechtsgesellschaft verlieren! ... Sie, ein Mitglied dieser Bande! Ist denn das die Heldentat Nicolai Stawrogins!?“ rief er ganz verzweifelt aus und erhob wie fassungslos die Hände, als könnte es nichts Bittereres und Trostloseres für ihn geben, als diese Entdeckung.

„Erlauben Sie –“ wunderte Stawrogin sich tatsächlich, „Sie scheinen ja förmlich eine Sonne in mir zu sehen und sich selbst, im Vergleich zu mir, für so etwas wie ein Insekt zu halten? Auch aus Ihrem Brief aus Amerika habe ich das ...“