„Was von Befehl, so ist davon gar nichts gewesen: ich kenn’ nur bloß auch Ihre Menschenliebe, wie alle Welt es eben tut. Denn unsere Einkünftekens, Sie wissen ja selbst, Herr, daß die halt ’ne Maus auf’m Schwanz fortschleppen kann. Das war vor’gen Freitag, da habe ich mich mal vollgeschlagen mit Fleisch, wie Martyn mit Seife, wie man zu sagen pflegt, aber seit damals hab ich den ersten Tag nichts gegessen, den zweiten gefastet und den dritten wieder nichts. Wasser ist ja im Fluß, bei Gott, so viel du willst, aber davon allein kann man im Magen doch nur Karauschen züchten ... Na, und so überhaupt, der gnädige Herr werden doch wohl von den Mildtätigen sein? Und ich hab hier gerade ’ne Gevatterin nich weit, die mich erwartet: nur komm du nich ohne Rubelchen zu ihr!“

„Was hat dir denn Pjotr Stepanowitsch von mir versprochen?“

„Nicht, daß er mir was vorversprochen hat, er hat nur so mit Worten gesagt, daß ich, nu ja, dem gnädigen Herrn mal nötig sein könnte, wenn solch ein Streifen mal vorkommt; aber zu was, das hat er eigentlich nich so geradeheraus gesagt, so mit Genauigkeit, denn Pjotr Stepanowitsch will nur so zum Beispiel sehen, ob ich nich Kosakengeduld habe, und Vertrauen hat er nich für ’ne Kopeke zu mir.“

„Warum denn nicht?“

„Ja, Pjotr Stepanowitsch mag wohl ein Astrolom sein und hat jetzt vielleicht auch alle Gottesplaneten erkannt, aber der Allerklügste ist er doch noch nich. Ich bin vor Ihnen, gnädiger Herr, wie vor Gottes Antlitz selber, denn ich hab vieles gehört, was man so spricht von Ihnen. Pjotr Stepanowitsch – das ist eins, aber Sie, gnädiger Herr, das ist es eben, sind das andere. Wenn der von einem Menschen sagt: ’n Gauner, so ahnt ihm schon außer diesem von diesem Menschen gar nichts mehr. Sagt er: ’n Kamel, so kann der Mensch bei ihm schon nie und nimmer einen anderen Namen kriegen. Ich aber, ich bin vielleicht, kann sein, nur am Dienstag und Mittwoch ’n Kamel, aber Donnerstag vielleicht auch klüger als er selber. Jetzt weiß er bloß eben von mir, daß ich gerade große Sehnsucht nach einem Paschport habe, denn wissen Sie, in Rußland geht’s ohne Dokumentchen auf keinerlei Art – und schon glaubt er, er hat meine Seele in der Hand! Hehe, gepfiffen! Ich sag Ihnen, Herr, Pjotr Stepanowitsch hat’s furchtbar leicht zu leben auf der Welt, denn, sehen Sie, er stellt sich einen Menschen so vor, wie er ihn haben will, und so lebt er denn auch mit ihm. Dazu ist er noch geizig, daß es schon gar keine Art mehr mit ihm hat. Er glaubt, daß ich außer als durch ihn schon nie nich wagen werde, Sie zu belästigen, aber ich bin vor Ihnen, gnädiger Herr, wie vor’m Angesicht des leibhaftigen Gottes selber, – schon die vierte Nacht erwarte ich den gnädigen Herrn hier auf dieser Brücke, in der Sache, daß ich auch ohne ihn mit leisen Schritten, wie man sagt, meinen eigenen Weg finden kann. Besser, denke ich, du verneigst dich vor ’nem Stiefel als vor ’nem Bastschuh.“

„Wer hat es dir denn gesagt, daß ich nachts über diese Brücke gehen werde?“

„Ja, das ist schon, muß ich sagen, von anderweitig herausgekommen, mehr aus der Dummheit des Hauptmann Lebädkin, denn der kann schon gar nichts für sich behalten ... Also dann drei Rubelchen vom gnädigen Herrn für die drei Nächte, als für die Langeweile, zum Beispiel? Und daß die Kleider quatschnaß sind, davon schweigen wir schon allein von wegen der Beleidigung.“

„Ich gehe jetzt nach links und du nach rechts; die Brücke ist zu Ende. Höre, Fedjka, ich liebe es, daß man meine Worte ein für allemal behält: ich gebe dir keine Kopeke und werde dich niemals – hörst du? – niemals brauchen; ferner werde ich dich weder hier auf der Brücke noch sonst wo treffen, verstanden? Und wenn du dir das nicht merkst – so binde ich dich und übergebe dich der Polizei. Jetzt – marsch!“

„O je! Aber für die Unterhaltung schmeißen Sie mir doch wenigstens was – es war doch lustiger, so zu gehen.“

„Pack dich!“