„Um seinen Schicksalsspruch zu hören, Nicolai Wszewolodowitsch.“ Und mit einer Verbeugung auf das Sofa weisend, vor dem ein Tisch stand: „Bitte, nehmen Sie Platz.“
Stawrogin sah sich im Zimmer um: es war klein und niedrig. Die ganze Einrichtung bestand nur aus dem Notwendigsten: aus zwei einfachen neuen Holzstühlen, einem gleichfalls neuen, noch unüberzogenen Sofa mit hölzerner Lehne und ohne Seitenpolster, und zwei Tischen. Auf dem kleineren, in der Ecke, standen irgendwelche Dinge, über die man eine saubere Serviette gebreitet hatte. Überhaupt schien man das ganze Zimmer äußerst sauber gehalten zu haben. Der Hauptmann war nun schon an die acht Tage nüchtern. Sein Gesicht sah gelb und abgefallen aus, der Blick war unruhig, neugierig und eigentlich verständnislos: man sah ihm an, daß er noch nicht wußte, in welch einem Ton er sprechen durfte und welcher schließlich der ratsamste war.
„Wie Sie sehen,“ wies er mit pathetischer Geste herum, „lebe ich wie ein Heiliger: Nüchternheit, Einsamkeit und Armut – das Gelübde der alten Ritter!“
„Sie glauben, die alten Ritter hätten solche Gelübde getan?“
„Tja, vielleicht habe ich mich auch verhauen? O weh, für mich gibt es keine Entwicklung mehr! Alles verdorben! Glauben Sie mir, Nicolai Wszewolodowitsch, hier bin ich zum erstenmal aufgewacht aus diesem Schandleben, – kein Gläschen mehr, kein Tröpfchen! Habe jetzt einen Winkel – und sechs Tage lang genieße ich nun schon die Wohltat der Gewissensbisse. Sogar die Wände riechen noch nach Harz, erinnern somit an die Natur. Aber was war ich, was stellte ich vor?
‚Ohne Obdach in der Nacht,
Tagsüber eine Hetze‘ ...
wie sich ein genialer Dichter ausgedrückt hat! Aber ... Sie sind ja so durchnäßt ... Wollen Sie nicht ein Gläschen Tee?“
„Bemühen Sie sich nicht.“
„Der Samowar kocht seit acht Uhr abends, aber – da ist er nun ausgelöscht! – wie alles in der Welt! Und auch die Sonne, sagt man, wird einmal auslöschen, wenn sie an die Reihe kommt ... Aber wenn Sie wollen, bringe ich ihn wieder zum Kochen ... Agafja schläft noch nicht.“