Er hatte einen ganzen Imbiß vorbereitet: geräucherten Schinken, Kalbfleisch, Sardinen, Käse, eine kleine grüne Karaffe und eine lange Flasche Bordeaux – alles war ungemein sauber, mit Sachkenntnis und fast elegant geordnet.

„Das haben Sie besorgt?“

„Jawohl ... Schon gestern ... Marja Timofejewna ist ja in der Beziehung, wie Sie wissen, gleichgültig. Aber die Hauptsache: daß es von Ihren Gaben ist, also Ihr eigenes ... da Sie ja doch hier der Hausherr sind, und nicht ich – ich bin ja doch nur so Ihr Angestellter, wenn auch, wenn auch, Nicolai Wszewolodowitsch, wenn auch mein Geist noch unabhängig ist! Diesen meinen letzten Besitz werden Sie mir doch nicht nehmen wollen!“ schloß er geradezu gerührt.

„Hm! ... wie wär’s, wenn Sie sich setzen würden?“

„Ich bin da–ankbar, dankbar und unabhängig!“ (Er setzte sich.) „Ach, Nicolai Wszewolodowitsch, in diesem Herzen hat sich so viel angesammelt, so viel, daß ich schon gar nicht mehr wußte, wie ich noch länger auf Sie warten sollte! Sehen Sie, Sie werden jetzt mein Schicksal entscheiden und auch das ... jener Unglücklichen, und dann ... dann wieder so, wie es früher war? Ich werde dann wieder meine ganze Seele vor Ihnen ausschütten, wie damals vor vier Jahren. Würdigten Sie mich doch damals dessen, mir zuzuhören, lasen Verse ... Mag man mich auch dort Ihren Falstaff genannt haben, nach Shakespeare, aber Sie haben doch so viel in meinem Leben bedeutet! ... Jetzt habe ich wieder meine große Angst und erwarte nur von Ihnen Rat und Heil. Pjotr Stepanowitsch behandelt mich ganz furchtbar!“

Stawrogin hörte ihm neugierig zu und beobachtete ihn aufmerksam. Augenscheinlich befand sich Lebädkin, wenn er nun auch schon eine Woche nicht mehr getrunken hatte, doch noch längst nicht in einem harmonischen Gemütszustande. In solchen langjährigen Trinkern setzt sich schließlich für immer etwas Ungereimtes, Dunstiges, Irrsinniges fest, das sie gleichsam benommen erscheinen läßt – was sie übrigens nicht hindert, wenn es nötig ist, nicht ungeschickter als nüchterne Leute zu betrügen, zu intrigieren und auch zu berechnen.

„Ich sehe, daß Sie sich in diesen viereinhalb Jahren nicht im geringsten verändert haben, Hauptmann,“ sagte Stawrogin wie ein wenig freundlicher. „Man sieht wieder einmal, daß die ganze zweite Hälfte des menschlichen Lebens meist nur aus den in der ersten Hälfte angenommenen Gewohnheiten besteht.“

„Erhabene Worte! Sie lösen das Rätsel der Welt!“ rief der „Hauptmann“ entzückt, halb mit verstellter, halb mit wirklich echter Begeisterung, denn er war ein großer Liebhaber guter Aussprüche. „Von allem, was Sie gesagt haben, Nicolai Wszewolodowitsch, habe ich eines ganz besonders behalten ... noch in Petersburg haben Sie’s gesagt: ‚Man muß in der Tat ein großer Mensch sein, um sogar gegen die gesunde Vernunft stand halten zu können‘. Sehen Sie!“

„Oder ebensogut auch ein Dummkopf.“

„So? Na, dann mein’twegen auch ein Dummkopf, nur haben Sie Ihr Lebelang mit dem Scharfsinn nur so um sich geworfen, die anderen aber? Mögen doch Liputin und Pjotr Stepanowitsch auch einmal etwas Ähnliches sagen! Oh, wie grausam Pjotr Stepanowitsch mit mir umgegangen ist! ...“