Darauf hatte der Hauptmann nur gewartet. Seine Gedichte achtete und schätzte er zwar grenzenlos, doch zugleich gefiel es ihm – wohl aus einer gewissen durchtriebenen Zwieheit der Seele – daß sie Stawrogin, der früher zuweilen so über sie gelacht hatte, daß er sich die Seiten hielt, immer belustigten. Auf diese Weise erreichte er gewöhnlich zwei Ziele mit einem Mittel: ein poetisches und ein geschäftliches Ziel. Diesmal aber gab es noch ein drittes, ein ganz besonderes und äußerst kitzliches: der Hauptmann hoffte nämlich, als er das Gedicht heranzog, sich auf diese Manier am leichtesten in einem gewissen Punkte rechtfertigen zu können, hoffte dies um so mehr, als er aus einem bestimmten Grunde gerade in diesem Punkt seine Schuld für größer als in allen anderen Punkten hielt.
„‚Im Fall sie sich den Fuß mal bräche‘, das heißt, beim Reiten. Eine bloße Phantasie, Nicolai Wszewolodowitsch, ein Traumbild, aber das Traumbild eines Dichters! Einmal, beim Spazierengehen, sah dieser Dichter eine Reiterin, und da stellte er sich dann die materialistische Frage: ‚was würde dann sein?‘ – das heißt, in dem Falle, wenn! Die Sache ist doch klar: alle Kurmacher gehen sogleich wie die Krebse rückwärts, fort sind all die Heiratskandidaten, also – ‚wisch den Mund ab morgen früh‘,“ fügte er plötzlich auf Deutsch hinzu, „nur der Dichter bleibt treu, nur er mit dem gebrochenen Herzen in der Brust! Nicolai Wszewolodowitsch, sogar eine winzige Laus darf verliebt sein, denn kein Gesetz verbietet’s ihr. Und doch fühlte sich die Dame gekränkt durch meinen Brief, wie durch das Gedicht. Sogar Sie sollen sich geärgert haben, sagt man – ist’s wahr? Das wäre jammerschade, wollt’s gar nicht glauben! Nun, sagen Sie doch selbst, wen konnte ich denn mit bloßer Einbildung beleidigen? Zudem ist hier noch, mein Ehrenwort, Liputin dabei: ‚Schreiben Sie, schreiben Sie unbedingt, jeder Mensch hat das Recht, Briefe zu schreiben‘, sagte er – und so schickte ich’s denn ab.“
„Sie haben sich, glaube ich, als Bräutigam vorgeschlagen?“
„Feinde, Feinde, nichts als Feinde! ...“
„Sagen Sie das Gedicht!“ fiel ihm Stawrogin streng ins Wort.
„Ein Traum, bloß ein Traum, sag ich Ihnen!“
Aber er setzte sich doch in Positur, streckte die Hand aus und begann:
„Das schönste Weib brach mal ein Glied,
Doch ward es dadurch nur aparter!
Und doppelt liebte sie fortan