Der ohnehin in sie verliebte Dichtersmann ...“
„Genug!“ Stawrogin winkte ab.
„Oh, ich sehne mich nach Pietjer[39]!“ rief Lebädkin, schnell auf ein anderes Gebiet überspringend, als wäre von Gedichten nie die Rede gewesen. „Ich denke an eine Auferstehung, ich träume von einer Wiedergeburt ... Mein Wohltäter! Darf ich darauf rechnen, daß Sie mir nicht die Mittel zur Reise verweigern werden? Ich hab Sie die ganze Woche wie die liebe Sonne erwartet.“
„Nein, darauf dürfen Sie nicht rechnen. Außerdem ist mir von meinem Kapital fast nichts mehr verblieben. Und überhaupt, warum sollte ich Ihnen Geld geben? ...“
Stawrogin schien sich plötzlich geärgert zu haben. Kurz und trocken zählte er alle Vergehen des Hauptmanns auf: das unmäßige Trinken, die Lügengeschichten, Verschwendung des Geldes, das Marja Timofejewna gehörte, dann, daß er sie aus dem Kloster genommen hatte, die frechen Briefe mit den Drohungen, das Geheimnis bekanntzumachen, die Geschichte mit Darja Pawlowna usw., usw. Der Hauptmann wogte geradezu hin und her, gestikulierte, wollte widersprechen, doch Stawrogin wies ihn jedesmal herrisch zur Ruh.
„Und erlauben Sie,“ bemerkte er zum Schluß, „Sie schreiben immer von einer ‚Familienschande‘. Ich sehe darin keine Schande für Sie, daß Ihre Schwester Stawrogins rechtmäßig getraute Frau ist.“
„Aber die Ehe ist ein Geheimnis, Nicolai Wszewolodowitsch, niemand weiß davon, ein verhängnisvolles Geheimnis! Ich bekomme Geld von Ihnen und plötzlich stellt man mir die Frage: wofür bekommst du dieses Geld? Ich aber bin gebunden und kann nicht antworten, zum Schaden meiner Schwester – und zum Schaden meiner Familienehre!“
Der Hauptmann erhob bereits die Stimme: dieses Thema liebte er ganz besonders und er hatte sich in diesem Sinne schon vorbereitet, denn darauf beruhte seine ganze Hoffnung. Wie hätte er auch ahnen sollen, welch eine niederschmetternde Überraschung ihn gerade auf dieser seiner Basis erwartete! Ruhig und bestimmt, als ob es sich um die alltäglichste häusliche Angelegenheit handelte, teilte ihm Stawrogin mit, daß er die Absicht habe, in diesen Tagen, vielleicht morgen oder übermorgen, seine Heirat allgemein bekanntzumachen, sie ‚sowohl der Polizei wie der Gesellschaft‘ anzuzeigen – so daß denn die Frage der „Familienehre“ damit endgültig erledigt sein werde, und die der Subsidien gleichfalls.
Der Hauptmann riß die Augen auf: er begriff nicht einmal, was er da hörte; so mußte denn alles noch durchgesprochen werden.
„Aber sie ist doch ... halbverrückt?“