„Ach, um Sie mache ich mir ja gar keinen Kummer. Ich fürchte nur für mich, daß ich selbst aufhören könnte, jemanden sehr zu lieben.“

Sie lächelte verächtlich.

„Ich werde wohl vor ihm in etwas sehr Großem schuldig sein,“ sagte sie plötzlich wie zu sich selbst. „Nur weiß ich nicht, worin ich schuldig sein könnte, und das ist nun mein ewiges Leid. Immer und immer, diese ganzen fünf Jahre, habe ich Tag und Nacht gebangt, daß ich vor ihm schuldig sein könnte. Und da bete ich denn lange und bete und denke immer an meine große Schuld vor ihm. Und nun hat es sich auch richtig herausgestellt, daß ich wahr gefühlt habe.“

„Was hat sich herausgestellt?“

„Nur fürchte ich, ob da nicht etwas von ihm aus geschieht,“ fuhr sie fort, ohne auf die Frage zu antworten, die sie vielleicht überhaupt nicht gehört hatte. „Und doch, wie könnte er sich denn mit solchen Leutchen zusammentun! Die Gräfin würde mich wohl gern verschlingen, obschon sie mich in ihre Karosse gesetzt hat. Alle sind sie an der Verschwörung beteiligt – sollte auch er es sein!? Sollte auch er ein Verräter sein?“ (Ihr Kinn und ihre Lippen begannen zu zittern.) „Hören Sie, haben Sie von Grischka Otrepjeff gelesen, dem falschen Demetrius, der in sieben Kathedralen verflucht ward?“

Stawrogin schwieg.

„Aber ja, jetzt werde ich mich zu Ihnen wenden und werde Sie ansehen,“ entschloß sie sich plötzlich. „Wenden Sie sich auch zu mir und sehen Sie mich an, aber recht aufmerksam: ich will mich zum letztenmal überzeugen.“

„Ich sehe Sie schon lange an.“

„Hm!“ sagte Marja Timofejewna und betrachtete ihn angestrengt.

„Viel dicker sind Sie geworden ...“