Stawrogin verzog den Mund.

„Fürchten Sie sich nicht und machen Sie sich keine Sorgen,“ sagte er.

„Aber das machte mir ja auch nichts aus, selbst wenn er sich meinetwegen ein wenig schämen sollte, denn es wäre doch immer mehr Mitleid als Schande dabei, denke ich – freilich, je nach dem, wie der Mensch selbst ist. Denn er weiß doch, daß eher ich sie bemitleiden kann, nicht aber sie mich.“

„Sie haben sich wohl sehr gekränkt gefühlt, Marja Timofejewna?“

„Wer, ich? Nein.“ Sie lachte gutmütig. „Nicht ein bißchen. Ich sah mir damals nur alle so an und dachte so bei mir: alle ärgert ihr euch, alle seid ihr entzweit; nicht einmal zusammenzukommen und von Herzen zu lachen verstehen sie. So viel Reichtum, und dabei so wenig Fröhlichkeit – traurig war mir das alles. Übrigens, jetzt tut mir niemand leid, außer mir selbst.“

„Ich hörte, Sie hätten mit Ihrem Bruder ein schlechtes Leben gehabt, ohne mich?“

„Wer hat Ihnen das gesagt? Unsinn! Jetzt ist es viel schlechter: jetzt sind die Träume schlecht, und schlecht sind die Träume deshalb geworden, weil Sie angekommen sind. Sie aber, fragt es sich, warum sind Sie denn hergekommen, sagen Sie das doch gefälligst!“

„Wollen Sie nicht wieder ins Kloster gehen?“

„So, das ahnte ich ja, daß man mir wieder das Kloster vorschlagen wird! Als ob euer Kloster da Gott weiß was für ein Wunderding wäre! Und warum soll ich denn wieder ins Kloster gehen, und womit soll ich denn jetzt noch dorthin? Jetzt bin ich doch schon ganz und gar allein! Es ist zu spät für mich, ein drittes Leben anzufangen.“

„Sie scheinen sich über irgend etwas sehr zu ärgern, – fürchten Sie nicht schon, daß ich aufgehört haben könnte, Sie zu lieben?“