„Nein, ich habe es nie erfahren können, was Sie wollen; ich glaube, Sie interessieren sich für mich, wie zuweilen alte Krankenwärterinnen aus irgendeinem Grunde einen Pflegling den anderen vorziehen, oder, noch besser, wie auf unseren Kirchhöfen die betenden Greisinnen von den vielen Leichen sich eine etwas ansehnlichere aussuchen, die sie dann besonders in ihr Herz schließen.[41] Warum sehen Sie mich so sonderbar an?“
„Sind Sie sehr krank?“ fragte sie teilnehmend und sah ihn dabei ganz eigentümlich nachdenklich und forschend an. „Gott! Und dieser Mensch will ohne mich auskommen!“
„Hören Sie, Dascha, ich sehe jetzt immer Gespenster. Heute nacht bot sich mir ein kleiner Teufel auf der Brücke an, – erbot sich, Lebädkin und Marja Timofejewna zu ermorden, um meiner gesetzlichen Ehe ein Ende zu machen, und so, daß nichts ruchbar wird. Als Handgeld verlangte er nur drei Rubel, doch gab er deutlich zu verstehen, daß die ganze Operation nicht weniger als tausendfünfhundert kosten werde. Das war mir mal ein gut berechnender Teufel! Ein Buchhalter! Ha–ha!“
„Und Sie sind fest überzeugt, daß es ein Gespenst war?“
„O nein, durchaus kein Gespenst! Das war ganz einfach der entsprungene Zuchthäusler Fedjka, ein sibirischer Sträfling und Raubmörder. Doch das ist Nebensache. Aber was glauben Sie, daß ich getan habe? Ich habe ihm das ganze Geld aus meinem Portemonnaie hingeworfen, und er ist jetzt vollkommen überzeugt, daß ich ihm damit das Handgeld gezahlt habe!“
„Sie haben ihn in der Nacht getroffen und er hat Ihnen diesen Vorschlag gemacht? Ja, sehen Sie denn wirklich nicht, daß Sie von dem Netz jener Leute schon vollständig umstrickt sind?“
„Nun, mögen sie. Aber soll ich Ihnen sagen, was für eine Frage sich jetzt in Ihnen dreht und windet? – ich sehe sie in Ihren Augen,“ fügte er gereizt mit bösem Lächeln hinzu.
Dascha erschrak:
„Gar keine Frage und es gibt da überhaupt keinen Zweifel, schweigen Sie!“ rief sie in Unruhe, die Frage gleichsam von sich fortscheuchend.
„Sie sind also überzeugt, daß ich nicht zu Fedjka in die Kneipe gehen werde?“