„Es heißt, sie sei zwei Jahre älter als er?“
„Fünf Jahre. Ihre Mutter hat mich in Moskau umschmeichelt, damit ich sie zu den Bällen einlud, damals zu Wszewolod Nicolajewitschs Lebzeiten. Die Tochter aber saß dann ohne Tänzer da, bis ich ihr aus Mitleid nach Mitternacht den ersten Kavalier zuschickte. Niemand wollte sie mehr einladen ... Ich sage Ihnen, wie ich jetzt nach Paris kam, stieß ich sofort auf eine Intrige. Sie haben doch soeben jenen Brief der Drosdowa gelesen; was konnte noch klarer sein? Aber was fand ich? Diese dumme Drosdowa – sie ist immer dumm gewesen – sieht mich fragend an: warum ich denn gekommen sei? Sie können sich meine Verwunderung vorstellen! Aber natürlich: da intrigiert diese Lembke und dann ist da dieser Vetter, ein Neffe des seligen Drosdoff, – da war mir alles klar! Ich habe dann alles wieder zurechtgerückt; und Praskowja ist nun wieder auf meiner Seite; aber es war eine richtige Intrige im Gange!“
„Die Sie indes besiegt haben. Sie sind ein Bismarck!“
„Auch ohne ein Bismarck zu sein, kann ich Falschheit und Dummheit erkennen, wo ich ihnen begegne. Die Lembke ist falsch und Praskowja ist dumm. Selten habe ich eine so verdrossene Frau gesehen wie die, dazu hat sie noch geschwollene Füße und zum Überfluß ist sie noch gutmütig. Es gibt wohl nichts dümmeres als einen gutmütigen Dummkopf!“
„Doch, einen bösen Dummkopf, ma bonne amie,[16] ein böser Dummkopf ist noch viel dümmer.“
„Vielleicht haben Sie recht. Erinnern Sie sich noch an Lisa?“
„Charmante enfant!“[17]
„Aber jetzt nicht mehr enfant, sondern Weib, und ein Weib mit Charakter. Ein edler und feuriger Mensch, und ich liebe es an ihr, daß sie der Mutter nicht gehorcht, dieser leichtgläubigen Närrin. Wegen dieses Vetters kam es da fast zu einem ganzen Drama.“
„Ach richtig, er ist ja mit Lisa persönlich gar nicht verwandt[25] ... Hat er denn Absichten?“
„Sehen Sie, er ist ein junger Offizier, sehr schweigsam, sogar bescheiden. Ich will immer gerecht sein. Ich glaube, er ist selbst gegen diese Intrige und hat keine Wünsche, nur die Lembke scheint da intrigiert zu haben. Er achtete Nicolas sehr. Sie verstehen, die ganze Sache hängt von Lisa ab. Als ich sie in der Schweiz verließ, stand sie sich mit Nicolas ausgezeichnet, und er hat mir versprochen, im November herzukommen. Folglich war das nur eine Intrige der Lembke, und Praskowja war einfach blind. Plötzlich sagt sie mir, meine Vermutungen seien einfach Einbildung. Da habe ich ihr aber ins Gesicht gesagt, daß sie eine Närrin ist. Wenn mich nicht Nicolas gebeten hätte, es vorläufig aufzuschieben, wäre ich nicht heimgereist, ohne dieses falsche Frauenzimmer entlarvt zu haben. Sie hat sich durch Nicolas beim Grafen K. einzuschmeicheln, hat Mutter und Sohn zu entzweien versucht. Aber Lisa ist auf unserer Seite und mit Praskowja habe ich mich verständigt. Wissen Sie, daß Karmasinoff mit ihr verwandt ist?“