„Das ... ich ... ich habe das nur heute ...“

„Und sind Sie auch täglich sechs Werst spazieren gegangen, wie es Ihnen der Arzt verordnet hat?“

„Nicht ... nicht immer.“

„Wußte ich’s doch! schon in der Schweiz ahnte ich das!“ rief sie gereizt. „Jetzt werden Sie mir aber zehn Werst täglich gehen! Sie sind ja geradezu heruntergekommen! Sie sind ja nicht nur alt, Sie sind ein Greis geworden ... ich erschrak geradezu, als ich Sie wiedersah, trotz Ihrer roten Halsbinde ... quelle idée rouge![15] Erzählen Sie weiter von diesem Lembke, wenn es wirklich etwas von ihm zu erzählen gibt, nur kommen Sie bald zu einem Ende; ich bin müde.“

„En un mot, ich wollte ja auch nur sagen, daß er einer von denen ist, die erst mit vierzig Jahren anfangen Karriere zu machen, sei es dank einer plötzlich erworbenen Gattin oder einem nicht minder verzweifelten Mittel. Über mich hat man ihm natürlich sofort alles zugetragen: daß ich die Jugend verdürbe und den Atheismus verbreite. Er hat auch sofort Erkundigungen eingezogen. Und als man ihm von Ihnen berichtete, bisher hätten eigentlich Sie das Gouvernement verwaltet, da hat er sich zu äußern erlaubt, ‚so etwas werde hinfort nicht mehr vorkommen‘.“

„Hat er das wirklich gesagt?“

„Wortwörtlich. Seine Gemahlin werden wir hier erst Ende August erblicken; sie kommt direkt aus Petersburg.“

„Nein, aus dem Auslande. Ich bin mit ihr dort zusammengetroffen. In Paris und in der Schweiz. Sie ist mit Drosdoffs verwandt.“

„Verwandt? Was für ein merkwürdiges Zusammentreffen! Man sagt, sie sei ehrgeizig und ... habe durch Beziehungen gute Protektion?“

„Unsinn, die paar Verwandten! Bis zum fünfundvierzigsten Jahr saß sie als alte Jungfer da, ohne eine Kopeke, dann hat sie endlich diesen von Lembke erwischt und nun ist ihr ganzer Ehrgeiz seine Karriere.“