Pjotr Stepanowitsch trat schnell und ohne anzuklopfen, wie ein alter Bekannter oder guter Freund, in von Lembkes Arbeitszimmer. Als Andrei Antonowitsch ihn erblickte, blieb er unfreundlich und augenscheinlich geärgert am Schreibtisch stehen, während er bis dahin auf und ab gegangen war, was er gewöhnlich tat, wenn er sich mit seinem Kanzleibeamten Blümer unter vier Augen beriet. Diesen Blümer, der übrigens ein mürrischer, ungelenker Deutscher war, hatte er trotz Julija Michailownas heftigster Opposition aus Petersburg mitgebracht. Der Kanzleibeamte trat nach Pjotr Stepanowitschs Erscheinen zur Tür, ging jedoch noch nicht hinaus. Es schien Pjotr Stepanowitsch sogar, daß er mit von Lembke einen vielsagenden Blick austauschte.
„Oho, da habe ich Sie ertappt, Sie geheimer Stadtdespot!“ rief Pjotr Stepanowitsch lachend aus und legte schnell seine Hand auf eine Proklamation, die auf dem Tisch lag. „Die soll wohl wieder Ihre Sammlung vergrößern, wie?“
Von Lembke wurde rot, und sein ganzes Gesicht verzerrte sich plötzlich.
„Lassen Sie, lassen Sie das sofort!“ schrie er zitternd vor Wut. „Und wagen Sie es nicht, mein Herr ...“
„Was haben Sie nur? Sie scheinen sich ja zu ärgern?“
„Gestatten Sie, mein Herr, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß ich Ihr sans façon[123] hinfort nicht mehr dulden werde und Sie ersuche, nicht zu vergessen ...“
„Pfui Teufel, er ärgert sich ja in der Tat!“
„Schweigen Sie!“ von Lembke stampfte mit dem Fuß. „Und wagen Sie es nicht ...“
Gott mag wissen, wozu es noch gekommen wäre, denn zu seinem Zorn gab es hier noch einen gewissen anderen Grund, den sich weder Pjotr Stepanowitsch noch Julija Michailowna auch nur hätten träumen lassen können. Mit dem unglücklichen Andrei Antonowitsch war es nämlich schon so weit gekommen, daß er wegen seiner Frau auf Pjotr Stepanowitsch eifersüchtig war und deshalb in einsamen Stunden, besonders nachts, höchst unangenehme Minuten auszustehen hatte.
„Und ich dachte, daß ein Mensch, der einem zweimal bis nach Mitternacht seinen Roman vorliest und einen um ein offenes Urteil bittet, daß dieser Mensch dann schon selber das Formelle abgetan hat ... Und Julija Michailowna empfängt mich wie einen guten Bekannten – nun soll einer aus Ihnen klug werden!“ sagte Pjotr Stepanowitsch, und sagte es sogar nicht ohne eine gewisse Würde. „Hier haben Sie übrigens Ihren Roman,“ und damit legte er ein großes, schweres, fest zusammengerolltes Heft, das in blaues Papier eingewickelt war, auf den Tisch.