„Gewiß, gewiß, und ich will auch weiter gar nichts Näheres ... Hm ... Aber es hat mir bloß immer geschienen, daß Sie hier gewöhnlich in einem ganz anderen Stile gesprochen haben, zum Beispiel über das Christentum, über die öffentlichen Einrichtungen und schließlich auch über die Regierung ...“

„Na, als ob ich wenig gesprochen habe. Auch jetzt spreche ich noch so, nur muß man diese Gedanken nicht so durchführen, wie jene Dummköpfe es wollen. Das ist es. Aber sonst – was ist denn dabei, daß er in die Schulter gebissen hat? Sie waren ja selbst in diesen Dingen mit mir einverstanden, nur sagten Sie, es sei noch zu früh.“

„Ich war eigentlich nicht in dem Sinne mit Ihnen einverstanden, und auch mit dem ‚zu früh‘ meinte ich etwas anderes ...“

„Dann ist also jedes Ihrer Worte mit einem Haken versehen, he–he! Sind wirklich ein vorsichtiger Mensch!“ bemerkte Pjotr Stepanowitsch plötzlich sehr heiter. „Hören Sie, mein Teuerster, ich mußte Sie doch erst ein wenig kennen lernen, na, und da habe ich denn zu diesem Zweck eben in meinem Stile gesprochen. Das habe ich nicht nur mit Ihnen allein so gemacht, sondern mit vielen. Vielleicht wollte ich erst nur Ihren Charakter kennen lernen.“

„Wozu denn meinen Charakter?“

„Na, wie soll ich es denn wissen, wozu!“ (er lachte wieder). „Sehen Sie mal, mein lieber und hochverehrter Andrei Antonowitsch, Sie sind schlau, aber dazu ist es noch nicht gekommen, wird es auch bestimmt nicht kommen, Sie verstehen doch? Vielleicht verstehen Sie mich wirklich? Wenn ich auch dort zuständigen Orts Erklärungen gegeben habe, als ich aus dem Auslande zurückkehrte, und ich weiß wirklich nicht, warum ein Mensch mit gewissen Überzeugungen nicht zum Vorteil dieser seiner aufrichtigen Überzeugungen handeln sollte ... so hat mir dort doch niemand etwas über Ihren Charakter gesagt, und ich habe mir noch gar keine Pflichten von dort aufladen lassen. Sie begreifen doch: ich hätte ebensogut nicht Ihnen als erstem zwei Namen zu nennen gebraucht, sondern einfach dahin, na, Sie verstehen schon, – einen Wink geben können, ich meine, dahin, wo ich die ersten Erklärungen abgab. Na, und wenn ich mich etwa für Geld bemühte, oder für sonst irgendeinen Vorteil, so wäre das meinerseits keine Berechnung gewesen, denn dankbar wird man jetzt bloß Ihnen sein, nicht mir. Aber ich tue es, wie gesagt, nur wegen Schatoff,“ sagte Pjotr Stepanowitsch mit viel Edelmut, „– nur für Schatoff, aus alter Freundschaft ... Na, aber dann, meinetwegen, wenn Sie dorthin schreiben, na, dann könnten Sie mich vielleicht auch ein bißchen loben, wenn Sie wollen ... werde nicht widersprechen. He–he ... Aber jetzt adieu, hab schon verboten lange hier gesessen, und eigentlich sollte man überhaupt nicht so viel sprechen!“ fügte er nicht unzufrieden hinzu und erhob sich vom Diwan.

„Im Gegenteil, es freut mich sehr, daß diese Angelegenheit sozusagen bestimmtere Formen annimmt.“ Von Lembke erhob sich gleichfalls und sehr liebenswürdig, – augenscheinlich noch unter dem Eindruck der letzten Worte. „Mit Dank nehme ich Ihre Hilfe an, und seien Sie überzeugt, daß ich die Bemerkung über Ihren Eifer ...“

„Sechs Tage, nur sechs Tage Frist, das ist die Hauptsache und alles, was ich brauche ... aber daß Sie sich in diesen sechs Tagen nicht rühren!“

„Gut!“

„Versteht sich, ich binde Ihnen ja nicht die Hände, wie sollte ich das auch! Sie können doch gar nicht etwa nicht beobachten lassen. Nur – schrecken Sie das Nest nicht vor der Zeit auf, – das ist es, worin ich mich jetzt auf Ihre Klugheit und Ihre Erfahrung verlasse! Na, Sie haben wohl schon unzählige Jagdhunde bereit? He–he!“ platzte lustig und leichtsinnig (eben wie ein junger Mensch) Pjotr Stepanowitsch heraus.