Sintemal Sie das nach Ihrem Range sind. Hiermit melde ich Mordanschläge auf alle hohen Würdenträger und das Vaterland; sintemal es gerade dazu führt. Habe selbst vieles ununterbrochen jahrelang verstreut. Auch Gottlosigkeit ist dabei. Ein Aufstand bereitet sich vor und Proklamationen gibt es Tausende, und nach jeder laufen dann hundert Mann mit herausgestreckter Zunge, wenn sie die Regierung nicht vorzeitig fortnimmt, sintemal man viel verspricht und das einfache Volk dumm ist, und hinzu kommt dann noch der Schnaps. Das Volk sucht den Schuldigen und wird diese wie jene verderben. Ich fürchte aber diese wie jene, und bereue, woran ich gar nicht teilgenommen, denn meine Verhältnisse sind einmal so. Wenn Sie wollen, daß ich Anzeige erstatte zur Rettung des Vaterlandes und ebenso der Kirchen und Heiligenbilder, so kann das nur ich allein. Aber mit der Bedingung, daß man mir Begnadigung aus der dritten Abteilung telegraphisch zusagt, sofort und mir allein von allen; die anderen können es dann ausbaden. Auf das Fenster beim Portier stellen Sie zum Zeichen jeden Tag abends um sieben Uhr ein Licht. Sehe ich dieses, so werde ich glauben und komme dann, um die barmherzige Hand aus Petersburg zu küssen, aber mit der Bedingung, daß ich eine Pension erhalte, sintemal wovon soll ich denn sonst leben? Sie werden es nicht zu bereuen brauchen, denn für Sie kommt dabei ein Orden heraus. Aber vorsichtig muß man sein, sonst drehen sie einem den Hals um!
Euer Exzellenz verzweifelter Mensch
fällt vor Euer Exzellenz auf die Knie
als reuiger Freidenker
Inkognito.“
Von Lembke erklärte, daß man den Brief gestern beim Portier gefunden hatte.
„Was halten Sie davon?“ fragte Pjotr Stepanowitsch beinahe grob.
„Ich würde annehmen, daß das ein Schmähbrief ist ... ein anonymer, zum Spott ...“
„Höchstwahrscheinlich wird es auch so sein. Sie kann man wirklich nicht so leicht hinters Licht führen.“
„Und vor allen Dingen deshalb, weil es so dumm ist.“
„Haben Sie hier noch irgendwelche Schmähbriefe bekommen?“
„Ja, zweimal, und beide anonym.“