„Wie es geht? Wie man es sich leichter gar nicht wünschen kann. Warten Sie, ich werde Sie zum Lachen bringen! Also, das erste, das ungeheuer wirkt – das ist die Montur. Es gibt nichts, das eine größere Zugkraft hätte, als diese. Ich denke mir absichtlich Titel und Posten aus: habe da Sekretäre, Geheime Kundschafter, Vorsitzende, Registratoren, deren Gehilfen – das gefällt ungemein und wirkt vorzüglich. Darauf, die zweite Kraft, das ist die Sentimentalität, versteht sich. Wissen Sie, der Sozialismus verbreitet sich ja bei uns hauptsächlich infolge der Sentimentalität der Leute. Nur eines ist hier ein wahrer Jammer – das sind diese beißenden Leutnants. Da ist man nie sicher. Dann kommen die echten Spitzbuben. Nun, das ist ein guter Schlag, zuweilen ungemein vorteilhaft, doch muß man viel Zeit auf sie vergeuden: verlangen ununterbrochene Aufsicht. Na, und dann natürlich die Hauptkraft – der Zement, der alles zusammenhält – das ist die Schande, eine eigene Meinung zu haben. Ich sag’ Ihnen, das ist mir mal eine Kraft! Wer das nur so eingerichtet haben mag? und welcher ‚liebe Kerl‘ uns da wohl so nett vorgearbeitet hat, daß auch wirklich keine einzige eigene Idee in irgendeinem Kopf geblieben ist! Halten so was geradezu für eine Schande.“

„Aber wenn es so ist, wozu mühen Sie sich dann noch?“

„Ja aber, wenn es doch so einfach ist, öffnet sich ja der Mund von selber – wie soll man sie da nicht schlucken! Als ob Sie im Ernst nicht glaubten, daß ein Erfolg möglich ist? He, der Glaube ist ja da, aber das Wollen fehlt. Aber gerade mit solchen ist der Erfolg nur möglich. Ich sage Ihnen, sie gehen mir durchs Feuer – man braucht ihnen nur zu sagen, daß sie nicht genügend liberal sind. Die Esel werfen mir übrigens vor, daß ich sie alle mit einem ‚Zentralkomitee‘ und ‚zahllosen Verzweigungen‘ beschwindelt haben soll. Sie selbst haben es mir ja auch einmal vorgeworfen – aber wie kann denn hier von Beschwindeln die Rede sein? Das Zentralkomitee sind doch – ich und Sie, und an Verzweigungen werden alsbald so viele vorhanden sein, wie man sich nur wünscht.“

„Und durchweg solches Pack?“

„Nur Material. Auch dies wird zustatten kommen.“

„Sie rechnen noch immer auf mich?“

„Sie sind der Führer, Sie sind die Kraft; ich werde nur seitlich neben Ihnen stehen als Sekretär. Und dann, wissen Sie, setzen wir uns ‚in eine Barke und die Ruder sind aus Eichenholz und die Segel sind aus Seidenzeug, und außerdem sitzt da die schöne Braut, die lichte Lisaweta Nicolajewna‘ ... oder weiß der Teufel wie es da im alten Volkslied heißt ...“

„Und stocken schon,“ lachte Stawrogin. „Nein, ich werde Ihnen einen besseren Zusatz sagen. Sie zählen da an den Fingern her, aus welchen Kräften sich die Gruppen zusammensetzen? Das ist doch alles Beamtengeist und Sentimentalität – meinetwegen auch ein guter Kleister, aber es gibt doch einen noch weit besseren: bereden Sie mal vier Mitglieder, dem fünften den Garaus zu machen, unter dem Vorwand, daß er denunzieren wird, und Sie binden sie alle mit dem vergossenen Blut wie mit einem Strick zusammen. Dann werden sie zu Ihren Sklaven und werden nie mehr wagen, widerspenstig zu sein oder Abrechnungen zu verlangen. Ha–ha–ha!“

„Also so bist du ... na warte ... diese Worte wirst du mir bezahlen müssen,“ dachte Pjotr Stepanowitsch bei sich – „und zwar noch heute abend.“

So, oder fast so mußte Pjotr Stepanowitsch bei sich denken.