„Nun sehen Sie, das trifft sich ja ausgezeichnet.“

Stepan Trophimowitsch schwindelte der Kopf; die Wände drehten sich um ihn herum. „Excellente amie!“[12] ... seine Stimme zitterte plötzlich, „ich ... ich hätte nie gedacht, daß Sie mich je mit ... einer anderen ... verheiraten könnten!“

„Sie sind doch kein junges Mädchen, das man verheiratet, Sie heiraten doch selbst,“ stieß sie giftig hervor.

„Oui, j’ai pris un mot pour un autre ... Mais ... c’est égal[29] ...“ Er sah sie wie verloren an.

„Das sehe ich, daß Ihnen das égal[30] ist,“ sagte sie mit bissiger Verachtung. „Herrgott, er wird ja ohnmächtig! Nastassja, Nastassja! Wasser!“ – Aber er kam schon wieder zu sich. Warwara Petrowna nahm ihren Schirm. „Ich sehe, daß man mit Ihnen jetzt nicht reden kann ...“

„Oui, oui, je suis incapable[31] ...“

„Aber bis morgen müssen Sie sich erholt und entschlossen haben. Bleiben Sie zu Hause. Aber schreiben Sie mir keine Briefe; werde sie nicht lesen. Morgen werde ich um dieselbe Zeit wiederkommen, allein, und ich hoffe, daß Ihre Antwort eine befriedigende sein wird. Sorgen Sie dafür, daß dann niemand hier ist und daß in den Zimmern Ordnung herrscht, denn wie sieht das hier aus! Nastassja, Nastassja! ...“

Natürlich war er am nächsten Tage einverstanden. Es blieb ihm ja auch nichts anderes übrig, – aus einem besonderen Grunde ...

VIII.

Das Gut, das seine erste Frau hinterlassen hatte, gehörte nicht ihm, sondern seinem Sohn. Stepan Trophimowitsch hatte es sozusagen nur verwaltet und auf Grund einer Abmachung dem Sohn tausend Rubel jährlich als Einnahme des Gutes zugesandt. Das heißt: diese Summe war regelmäßig von Warwara Petrowna entrichtet worden, Stepan Trophimowitsch aber hatte auch nicht einen Rubel dazu beigesteuert. Die ganze Einnahme vom Gut, die übrigens nur fünfhundert Rubel im Jahre betrug, hatte er immer selbst verbraucht, dazu das Gut schließlich noch ruiniert, da er es ohne Warwara Petrownas Wissen an einen Händler verpachtet und den Wald, der das Wertvollste war, nach und nach parzellenweise zum Abholzen verkauft hatte, wenn er größere Spielverluste im Klub Warwara Petrowna doch nicht zu gestehen wagte. Für diesen Wald, der etwa achttausend Rubel wert war, hatte er im ganzen nur fünftausend erhalten. Sie knirschte natürlich, als sie das schließlich erfuhr. Aber nun hatte der Sohn plötzlich geschrieben, er werde kommen, um das Gut zu verkaufen, und den Vater beauftragt, sich inzwischen nach Käufern umzusehen. Selbstredend schämte sich nun Stepan Trophimowitsch bei seiner großzügigen und nicht materialistischen Einstellung zu solchen Dingen vor ce cher fils,[32] den er übrigens zuletzt vor neun Jahren in Petersburg als Studenten gesehen hatte. Der Wert des Gutes war von etwa vierzehn- auf kaum fünftausend Rubel gesunken. Wie sollte er das diesem Sohne nun sagen? Freilich hätte er als offiziell Bevollmächtigter den Wald verkaufen dürfen, und da dem Sohn jahrelang tausend Rubel statt etwa fünfhundert geschickt worden waren, konnte er auch einer Abrechnung ruhig entgegensehen. Doch Stepan Trophimowitsch war nun einmal ein nobler Mensch, der Höheres im Sinne hatte. In seiner Phantasie stellte er sich ein ganz anderes Bild vor: wie er diesem cher fils, wenn er endlich kam, die ganze Summe auf den Tisch legte, ohne die doppelt gezahlten Jahresraten überhaupt zu erwähnen, wie er ihn unter Tränen fest an seine Brust drückte und damit alle Abrechnungen für immer aus der Welt schaffte. Vorsichtig hatte er auch Warwara Petrowna für dieses schöne Bild zu gewinnen gesucht. Er deutete an, daß eine solche Einstellung zu einer pekuniären Frage auch ihrer Freundschaft, der „Idee“ dieser Freundschaft noch eine besondere, edle Nuance verleihen würde, sie, d. h. die Väter oder die frühere Generation überhaupt, als so viel selbstloser und großmütiger im Vergleich zu der neuen leichtsinnigen und sozialistischen Jugend hinstellen müßte. Er sprach noch allerhand, aber sie schwieg. Schließlich teilte sie ihm nur trocken mit, daß sie das Gut für siebentausend kaufen wolle. Doch von den fehlenden Achttausend – dem Wert des Waldes – sprach sie kein Wort. Das war etwa einen Monat vor dem Heiratsantrag geschehen.