„Ich denke, die Antwort auf diese Frage dürfte nicht ganz – sagen wir, sittsam sein,“ antwortete Stawrogin.
„Wie das?“ rückte die Studentin wieder vor.
Aber schon hörte man aus der Lehrergruppe leises Lachen, das sofort am anderen Ende des Tisches, bei Lämschin und dem Gymnasiasten, ein Echo fand, worauf der Major plötzlich hell und laut loslachte.
„Sie sollten Vaudevilles schreiben,“ sagte die Hausfrau zu Stawrogin.
„Das macht Ihnen wirklich keine Ehre, – ich weiß nicht, wie Sie heißen,“ sagte die Studentin mit entschiedenem Unwillen zu Stawrogin.
„Du aber solltest nicht so vorwitzig sein!“ tadelte der Major. „Bist ein Fräulein, mußt dich sittsam halten, du aber bist ja ganz, als hättest du dich auf eine Nadel gesetzt.“
„Könnten Sie nicht lieber schweigen? Zum mindesten möchte ich Sie bitten, sich im Gespräch mit mir nicht so familiär auszudrücken. Und diese widerlichen Vergleiche verbitte ich mir einfach. Ich sehe Sie heute zum erstenmal und will nichts von Ihrer Verwandtschaft wissen.“
„Aber ich bin doch dein Onkel! Ich habe dich doch als Säugling auf meinen Armen geschleppt!“
„Was geht das mich an, was Sie da alles geschleppt haben! Ich habe Sie damals nicht darum gebeten, mein unhöflicher Herr Major, also muß es Ihnen wohl selbst Spaß gemacht haben, mich zu tragen. Und gestatten Sie mir noch zu bemerken, daß Sie sich nicht unterstehen dürfen, mich zu duzen, es sei denn als Bürgerin, sonst aber untersage ich es Ihnen ein für allemal.“
„So sind sie nun alle!“ Der Major schlug mit der Faust auf den Tisch und wandte sich an Stawrogin, der ihm gegenüber saß. „Nein, erlauben Sie, ich liebe Liberalismus und alles Zeitgemäße. Ich liebe auch klugen Gesprächen zuzuhören, aber – wohlgemerkt: von Männern! Doch von Frauen, von diesen da, von diesen Flattervögeln – nein, Verzeihung, aber das ist schon mein wunder Punkt! Du, dreh dich nicht so viel!“ fuhr er die Studentin an, die vor Ungeduld schon wieder fast vom Stuhl sprang. „Ich will auch einmal zu Wort kommen! Jetzt bin ich der Gekränkte!“