„Sie haben erst kürzlich von Ihrem Vater Geld für das Gut erhalten,“ bemerkte Stawrogin ruhig. „Meine Mutter hat Ihnen die sechs- oder achttausend Rubel, die Sie von Stepan Trophimowitsch verlangten, für das Gut ausgezahlt. Davon können Sie doch, wenn das für Sie so nötig ist, sehr wohl tausendfünfhundert aus Ihrer Tasche bezahlen. Ich habe es satt, immer für andere zu zahlen, und habe schon so viel ausgegeben, daß es für mich beinahe kränkend ist ...“ Er mußte selbst über seine letzten Worte lächeln.

„Ah, Sie beginnen zu scherzen ...“

Stawrogin erhob sich, sofort sprang auch Werchowenski auf und stellte sich mechanisch vor die Tür, wie um den Ausgang zu versperren. Stawrogin machte schon eine Bewegung, um ihn fortzustoßen und hinauszugehen – doch plötzlich blieb er stehen.

„Ich trete Ihnen Schatoff nicht ab,“ sagte er.

Pjotr Stepanowitsch zuckte zusammen; sie sahen sich an.

„Ich habe Ihnen heute unterwegs gesagt, wozu Sie Schatoffs Blut brauchen,“ sagte Stawrogin mit funkelnden Augen. „Mit diesem Blut wollen Sie Ihre Fünfer-Gruppen zusammenleimen. Vorhin haben Sie ja Schatoff auf eine ganz vorzügliche Weise hinausgejagt: Sie wußten nur zu gut, daß er niemals sagen würde, ‚ich denunziere nicht‘ – vor Ihnen aber zu lügen für unter seiner Würde hält. Doch wozu brauchen Sie mich, mich jetzt eigentlich? Was soll ich bei all dem? Nachdem ich aus dem Auslande zurückgekehrt bin, drängen Sie sich mir immer wieder auf. Das, womit Sie mir Ihr Benehmen bis jetzt erklärt haben, ist nur Fieberphantasie. Dabei wollen Sie, daß ich, indem ich Lebädkin tausendfünfhundert Rubel einhändige, damit Ihrem Fedjka das Zeichen gebe, ihn zu erstechen. Ich weiß, Sie denken, daß ich zu gleicher Zeit auch meine Frau ermorden lassen will. Und wenn Sie mich dann mit einem Verbrechen an sich gebunden haben, so hoffen Sie, Macht über mich zu bekommen – ist es nicht so? Wozu aber wollen Sie diese Macht? Für welch eine Teufelei in aller Welt brauchen Sie mich? Ich sage Ihnen ein für allemal: machen Sie doch endlich einmal Ihre Augen auf und sehen Sie näher zu, ob ich überhaupt ein Mensch für Sie bin, und lassen Sie mich dann endlich in Ruh!“

„Fedjka ist selbst zu Ihnen gekommen?“ fragte Werchowenski beklommen.

„Ja, er ist selbst zu mir gekommen. Sein Preis ist gleichfalls genau tausend fünfhundert ... Da – er kann es ja selbst bestätigen, da ist er ja ...“ rief Stawrogin und streckte seine Hand gegen die Tür hin aus.

Pjotr Stepanowitsch drehte sich schnell um. Auf der Schwelle stand, aus der Dunkelheit hervortretend, eine Menschengestalt – Fedjka, im kurzen Pelz, doch ohne Mütze, ganz wie einer, der im Hause wohnt. Er stand da und lächelte, daß man seine gleichmäßigen weißen Zähne schimmern sah. Die schwarzen Augen mit dem gelben Zigeunerglanz huschten vorsichtig durch das Zimmer und gingen von einem zum anderen der Herren. Er schien irgend etwas nicht zu verstehen: wahrscheinlich hatte ihn Kirilloff herangewinkt, denn zu dem wandte sich immer wieder sein fragender Blick. Er blieb auf der Schwelle stehen und schien nicht eintreten zu wollen.

„Er ist hier wohl in Bereitschaft gehalten worden, um unseren ganzen Schacher mit anzuhören, vielleicht gar um das Geld gleich in Empfang zu nehmen – ist’s nicht so?“ fragte Stawrogin, und ohne die Antwort abzuwarten, verließ er das Haus.