„Was mich betrifft, so bin ich in der Beziehung vollkommen beruhigt und sitze jetzt schon das siebente Jahr in Karlsruhe. Ja, als im vorigen Jahr der Stadtrat dortselbst beschloß, ein neues Wasserleitungsrohr zu legen, da fühlte ich in meinem Herzen, daß diese Karlsruher Wasserleitungsfrage mir teurer und lieber war, als die gesamten Fragen meines lieben Vaterlandes ... wenigstens für die Zeit der sogenannten russischen Reformen.“

„Sehe mich gezwungen, zu gestehen, daß ich Ihnen das nachfühlen kann, wenn auch gegen mein Herz,“ sagte Stepan Trophimowitsch halb aufseufzend und senkte vielsagend den Kopf.

Julija Michailowna triumphierte: das Gespräch wurde sowohl tief wie tendenziös.

„Eine Röhre für den ... Schmutz?“ erkundigte sich laut der Doktor.

„Ein Abzugsrohr, Doktor, ein Abzugsrohr, und ich habe damals selbst mitgeholfen, das Projekt auszuarbeiten.“

Der Doktor lachte wieder schallend auf. Nun begannen auch die anderen zu lachen, doch lachten sie jetzt schon dem Deutschen offen ins Gesicht, was dieser aber gar nicht gewahrte – im Gegenteil, er schien sogar sehr vergnügt darüber zu sein, daß endlich alle mitlachten.

„Erlauben Sie, Ihnen einmal nicht beizustimmen, Karmasinoff,“ beeilte sich Julija Michailowna zu bemerken. „Ich habe sonst nichts gegen Karlsruhe, aber Sie lieben zu mystifizieren, und diesmal glauben wir Ihnen nicht. Welcher russische Schriftsteller hat so viele zeitgenössische und echt russische Typen geschaffen, ist so vielen zeitgenössischen und echt russischen Fragen auf den Grund gegangen und hat so richtig jene Hauptmomente unserer Zeit erkannt, die den Typ des heute wirkenden Menschen bestimmen, wie gerade Sie, Sie allein von allen? Und nun, bitte, versuchen Sie uns noch Ihre Gleichgültigkeit gegen das Vaterland und Ihr ungeheueres Interesse für die Karlsruher Leitungsrohrangelegenheit glauben zu machen! Haha!“

„Ich habe allerdings,“ begann Karmasinoff geziert, „im Typ Pogosheff alle Fehler der Slawophilen gezeigt und im Typ Nikodimoff alle Fehler der Westler ...“

„Als ob er damit wirklich schon alle gezeigt hätte!“ flüsterte Lämschin ganz leise seinem Nachbar zu.

„... aber das tue ich nur so nebenbei, nur um die überflüssige Zeit irgendwie totzuschlagen und ... um alle diese aufdringlichen Anforderungen und Erwartungen meiner Landesgenossen zu befriedigen.“