„Ich bringe einen Gast mit, einen besonderen! Ich wage es, Ihre Einsamkeit zu stören. Herr Kirilloff, ein hervorragender Ingenieur der Wegebaukunst. Doch das Wichtigste ist: er kennt Ihren Sohn, sogar sehr gut, und hat einen Auftrag von ihm.“

„Den Auftrag haben Sie hinzugefügt,“ sagte der Gast schroff, „davon habe ich nichts. Aber Werchowenski kenne ich. Das ist so. Ich habe ihn im Gouvernement Ch. verlassen. Zehn Tage zurück.“[27]

Stepan Trophimowitsch reichte ihm mechanisch die Hand und forderte ihn auf, Platz zu nehmen. Dann sah er mich an, dann Liputin und plötzlich, wie sich besinnend, setzte er sich selbst schnell hin, behielt aber Hut und Stock, offenbar unbewußt, in der Hand.

„Aber was sehe ich, Sie wollen selbst ausgehen!“ rief Liputin. „Und mir hat man doch gesagt, Sie seien vor lauter Arbeit ganz krank!“

„Ja, ich fühle mich nicht wohl und wollte deshalb spazieren gehen. Ich ...“ Stepan Trophimowitsch stockte plötzlich, warf schnell Hut und Stock auf den Diwan und – errötete.

Ich sah mir inzwischen schnell den Gast näher an. Er war ein junger Mann von ungefähr siebenundzwanzig Jahren, anständig gekleidet, gutgewachsen und mager, brünett, mit blassem Gesicht von gleichsam ein wenig erdig-brauner Hautfarbe und mit schwarzen glanzlosen Augen. Er schien nachdenklich und zerstreut zu sein, sprach seltsam abgebrochen und grammatisch geradezu falsch, wenigstens stellte er die Worte sehr sonderbar zusammen und bei jedem längeren Satz gerieten sie ihm anscheinend durcheinander. Liputin, dem Stepan Trophimowitschs Schreck natürlich nicht entgangen war, hatte für sich einen Rohrstuhl fast bis in die Mitte des Zimmers gezogen, um in gleicher Entfernung vom Gast und vom Hausherrn sitzen zu können, die einander gegenüber jeder auf einem Diwan Platz genommen hatten. Seine scharfen Augen fuhren neugierig im Zimmer umher.

„Ich ... ich habe Petrúscha so lange nicht mehr gesehen ... Haben Sie ihn im Auslande getroffen?“ brachte Stepan Trophimowitsch, zum Gast gewandt, unsicher hervor.

„Auch hier und auch im Auslande.“

„Herr Kirilloff ist soeben nach vierjähriger Abwesenheit zurückgekehrt,“ bemerkte Liputin, „aus dem Auslande, wo er sich in seinem Fach vervollkommnet hat, und jetzt ist er zu uns gekommen, da er Aussicht hat, eine Anstellung beim Bau unserer Eisenbahnbrücke zu erhalten. Ihr Sohn hat ihn in der Schweiz auch mit Drosdoffs bekannt gemacht, und er kennt auch Nicolai Stawrogin!“

„Ja?! ... Ich ... ich habe Petrúscha so lange nicht mehr gesehen ... und habe eigentlich so wenig das Recht, mich Vater zu nennen ... oui, c’est le mot.[39] Ich ... wie haben Sie ihn denn dort verlassen?“