Feministin oder sonst was:

(Bleibst doch stets vom selben Holz)

Mit ’ner Mitgift bist du etwas,

Spuck auf alles und sei stolz!“

Ich muß gestehen, ich traute meinen Ohren nicht. Das war eine so erklärte Gemeinheit, daß die Möglichkeit, Liputin etwa mit Dummheit zu entschuldigen, von vornherein ganz ausgeschlossen erschien. Und gerade Liputin war doch alles andere eher als dumm. Die Absicht, die dahinter steckte, war mir denn auch sofort klar: hier sollte Unordnung geschaffen werden, und dazu war allerdings keiner geeigneter, als Liputin.

Übrigens schien Liputin selbst zu fühlen, daß er doch ein zu starkes Stück auf sich genommen hatte. Er stand noch immer auf der Tribüne und war sich offenbar nicht klar darüber, ob er noch etwas hinzusetzen sollte oder nicht. Ein Teil des Publikums hatte das Gedicht übrigens ganz ernst genommen. Die andere Hälfte war freilich um so gekränkter. Julija Michailowna erzählte später, sie sei einer Ohnmacht nahe gewesen. Einer der ehrwürdigsten alten Herren unserer Stadt erhob sich sogar und verließ mit seiner Frau am Arm den Saal. Und wer weiß, vielleicht hätte dieses Beispiel auch noch andere nach sich gezogen, wenn nicht gerade jetzt Karmasinoff auf der Tribüne erschienen wäre. Sein kleines Figürchen war tadellos gekleidet, selbstredend in Frack und weißer Binde. In der Hand hielt er ein Heftchen. Julija Michailowna sah ihn wie erlöst an, als wäre er ihr Retter ...

Doch ich war schon hinter den Kulissen: ich mußte unter allen Umständen mit Liputin sprechen.

„Das haben Sie absichtlich getan!“ rief ich empört und packte ihn am Arm.

„Bei Gott, ich habe gar nicht daran gedacht,“ log er und spielte den Unglücklichen. „Die Verse hatte man mir soeben erst gegeben, ich dachte, es wäre ein lustiger Scherz ...“

„Das haben Sie durchaus nicht gedacht! Halten Sie denn wirklich diesen Blödsinn in Knüttelversen für einen Scherz?!“