„Messieurs!“ fuhr er fort, „wozu die Aufregung, warum dieses Geschrei des Unwillens, das ich höre? Ich bin ja mit dem Olivenzweig gekommen. Ich bringe das letzte Wort, denn in dieser Sache habe ich das letzte Wort – und wir können uns versöhnen.“

„Fort mit ihm!“ riefen die einen.

„Ruhig, laßt doch hören, laßt ihn zu Ende sprechen!“ schrien die anderen.

Besonders regte sich der junge Lehrer auf, der, nachdem er einmal zu sprechen gewagt hatte, nun sich nicht mehr halten konnte.

„Messieurs, das letzte Wort in dieser Sache ist – die gegenseitige Vergebung. Ich, ein alter Mann, ich erkläre feierlich, daß der Geist des Lebens noch ebenso stürmt wie früher und die lebendige Kraft auch in der jungen Generation nicht versiegt ist. Der Enthusiasmus unserer jetzigen Jugend ist noch ebenso rein und licht, wie er es zu meiner Zeit war. Es ist nur eines geschehen: man hat die Ziele geändert, die eine Schönheit ward durch die andere ersetzt! Das ganze Mißverständnis liegt nur darin, was ist schöner: Shakespeare oder ein Paar Stiefel, Rafael oder ein Petroleur?“

„Das ist eine Anklage!“ brüllte man irgendwoher.

„Das sind kompromittierende Fragen!“

„Agent-provocateur!“[178]

„Ich aber erkläre,“ rief Stepan Trophimowitsch wie rasend, „ich aber erkläre, daß Shakespeare und Rafael – höher als die Aufhebung der Leibeigenschaft, höher als das Volk, höher als der Sozialismus, höher als die gesamte junge Generation, höher als die Chemie, höher fast als die ganze Menschheit stehen, und vielleicht die höchste Frucht sind, die es überhaupt geben kann! Die Form der Schönheit ist damit schon erreicht, die Prägung, ohne die ich vielleicht gar nicht einwilligen würde, zu leben ... O Gott!“ er erhob die Arme, „vor zehn Jahren habe ich das in Petersburg genau so von einer Tribüne den Menschen zugerufen, mit denselben Worten, und ebensowenig haben sie mich damals verstanden, haben gelacht und gepfiffen wie jetzt ... O ihr kleinen, kleinen Menschen, was fehlt euch, daß ihr das nicht verstehen könnt? Ja, wißt ihr denn nicht, wißt ihr denn nicht, daß ohne den Engländer die Menschheit noch leben kann, auch ohne den Deutschen, ohne den russischen Menschen schon ohne weiteres, auch ohne die Wissenschaft, auch ohne Brot, nur ohne die Schönheit, nur ohne Schönheit kann sie nicht leben, denn da gäbe es überhaupt nichts mehr zu tun auf der Welt! Hier liegt das ganze Geheimnis, liegt die ganze Weltgeschichte! Selbst die Wissenschaft würde ohne die Schönheit nicht einen Augenblick bestehen – wißt ihr das auch, ihr Lacher –, alles würde sich in Hamitentum verwandeln, nichts mehr würdet ihr erfinden, nicht einmal einen Nagel! ... Dabei bleibe ich!“ und er schlug aus aller Kraft mit der Faust auf den Tisch.

Viele sprangen von ihren Plätzen, andere drängten sich näher zu der Tribüne. Alles das geschah schneller, als sich’s beschreiben läßt, und erst recht schneller, als daß man Vorsichtsmaßregeln hätte treffen können – wenn man überhaupt welche hätte treffen wollen!