„Comment![43] So wissen Sie etwas von dieser unglücklichen Ehe de notre pauvre ami[44] mit dieser Frau?“ fragte Stepan Trophimowitsch plötzlich lebhaft, mit aufrichtigem Mitgefühl. „Sie sind der erste, der diese Frau persönlich kennt; und wenn nur ...“

„Welch ein Blödsinn!“ Kirilloff sah dabei, ganz rot vor Zorn, Liputin ungehalten an. „Was Sie immer zu allem hinzufügen, Liputin! Ich kenne Schatoffs Frau gar nicht ... habe sie nur einmal gesehen, von weitem ... Was fügen Sie immer hinzu!“ Und er machte eine schroffe Wendung auf dem Diwan, griff schon nach seiner Mütze, legte sie aber wieder hin, und als er wieder wie früher dasaß, richtete er plötzlich seine schwarzen aufflammenden Augen mit einer gewissen Herausforderung auf Stepan Trophimowitsch. Ich vermochte mir diese sonderbare Reizbarkeit überhaupt nicht zu erklären.

„Verzeihen Sie,“ versetzte Stepan Trophimowitsch fein, „ich verstehe, daß das eine sehr zarte Angelegenheit ...“

„Gar keine zarte Angelegenheit, und das ist einfach schamlos ich habe aber nicht zu Ihnen ‚Blödsinn‘ gesagt, sondern zu Liputin, weil er immer hinzufügt. Entschuldigen Sie, wenn Sie es auf sich dachten. Ich kenne Schatoff, aber seine Frau, nein, die gar nicht!“

„Ich verstehe, oh, ich verstehe. Ich habe ja nur gefragt, weil ich unseren armen Freund sehr liebe und mich immer für ihn interessiert habe ... Der junge Mann hat, meiner Meinung nach, etwas zu plötzlich, zu schroff seine früheren, vielleicht noch unreifen, aber immerhin richtigen Ansichten geändert. Er sagt jetzt dermaßen sonderbare Dinge über notre sainte Russie,[45] daß ich diesen Umschwung in seinem Inneren – anders möchte ich’s nicht nennen – einer starken Erschütterung seines Privatlebens zuschreibe, in erster Linie seiner unglücklichen Ehe. Ich, der ich mein armes Rußland studiert habe und wie meine fünf Finger kenne, und meinem Volke mein ganzes Leben geweiht habe, ich versichere Ihnen, daß er das russische Volk nicht kennt, und zudem ...“

„Ich kenne das russische Volk auch gar nicht und ... um es zu studieren ist auch gar keine Zeit da!“ fiel ihm der Ingenieur wieder ins Wort und wieder machte er eine schroffe Wendung auf seinem Platz.

„Aber er studiert es, studiert es,“ hakte Liputin flink ein, „er hat schon damit begonnen und jetzt arbeitet er an einer ungemein interessanten Abhandlung über die Ursachen der Zunahme der Selbstmorde in Rußland und überhaupt über die Ursachen, die die Verbreitung des Selbstmordes in der menschlichen Gesellschaft fördern oder hemmen. Er ist auch schon zu ganz erstaunlichen Folgerungen gelangt!“

Der Ingenieur geriet in schreckliche Erregung.

„Dazu haben Sie gar kein Recht!“ sagte er zornig. „Ich schreibe gar keine Abhandlung. Ich will keine solche Dummheiten. Ich habe Sie unter uns gefragt, nur versehentlich. Und nichts von einer Abhandlung; ich veröffentliche nicht, Sie aber haben kein Recht ...“

Liputin ergötzte sich augenscheinlich an diesem Zorn.