Zuerst erblickte ich Lisa, plötzlich mitten im dichtesten Haufen, und ich erstarrte vor Schreck. Mawrikij Nicolajewitsch sah ich dagegen nicht, wahrscheinlich war er im Gedränge von ihr abgekommen, vielleicht nur auf ein paar Schritte. Natürlich mußte Lisa, die sich wie eine Irrsinnige durch die Menge drängte, allen auffallen, alle erregen.

„Da ist die Stawroginsche!“ rief mit einemmal jemand.

„Sie morden nicht nur, sie wollen sich die Bescherung auch noch ansehen!“ rief ein anderer.

In diesem Augenblick sah ich, wie über ihrem Haupte eine Hand sich erhob und auf sie niederschlug.

Lisa stürzte zu Boden.

Hinter ihr ertönte ein wilder Schrei und Mawrikij Nicolajewitsch suchte sich mit aller Kraft zu ihr Bahn zu brechen und riß und stieß den Menschen, der ihm im Wege stand. Da wurde auch er schon von eben jenem Kleinbürger gepackt und zu Boden geworfen. Für einen Augenblick verschwamm alles im Gewühl. Einmal sah ich auch Lisa wieder: sie hatte sich erhoben, aber da traf sie schon ein zweiter, noch furchtbarerer Schlag. Ich konnte nichts mehr sehen. Da drängte aber die Menge schon zurück, es bildete sich ein leerer Kreis um die wie tot Daliegende: über sie gebeugt sah ich Mawrikij Nicolajewitsch, blutüberströmt, wimmernd vor Schmerz und verzweifelnd die Hände ringend. Ich weiß nicht mehr, was weiter geschah. Aber ich erinnere mich noch, wie ich plötzlich sah, daß man Lisa davontrug: man sagte, sie lebte noch.

Der Schmied und noch drei andere wurden verhaftet. Vor Gericht erklärten sie später, daß sie selbst nicht wüßten, wie es eigentlich geschehen war. Auch ich war als Zeuge geladen und auch ich konnte nichts anderes aussagen, als daß es sich meiner Meinung nach um eine jähe, blinde und gleichsam zufällige Tat der Menge gehandelt hatte, um eine fast unbeabsichtigte, ja fast sogar unbewußte Tat, bei der es Schuldige eigentlich nicht gab. Das ist auch jetzt noch meine Meinung.

Neunzehntes Kapitel.
Der letzte Beschluß

I.

An diesem Morgen ist Pjotr Stepanowitsch von sehr vielen gesehen worden, und sie alle sagen jetzt aus, er habe sich in einem ungewöhnlich angeregten Zustande befunden.