Die Versammelten waren sehr erregt. Die Ereignisse der letzten Nacht hatten sie doch betroffen gemacht, und ich glaube, ihnen war sogar recht bange geworden. Der simple, wenn auch systematisch vorbereitete Skandal, an dem sie bis jetzt so eifrig Anteil genommen, hatte sich plötzlich auf eine für sie ganz unerwartete Weise entladen. Der Brand, die Ermordung der Lebädkins, die Wut des Volkes auf Lisa und deren Tod – das waren lauter Überraschungen, die sie in ihrem Programm nicht vorgesehen hatten. Erregt warfen sie der sie lenkenden Hand Despotismus und Unaufrichtigkeit vor, und, während sie nun auf Pjotr Stepanowitsch warteten, redeten sie sich so in Hitze, daß sie zum Schluß beschlossen, endgültig eine kategorische Erklärung von ihm zu verlangen; sollte er aber auch diesmal eine Antwort umgehen wollen, so wollte man die „Fünf“ einfach auflösen und an ihrer Stelle einen neuen geheimen Verband zur „Propaganda der Idee“ gründen – jetzt aber von sich aus und auf wirklich gleichberechtigenden und demokratischen Grundsätzen. Liputin, Schigaleff und der Volkskenner unterstützten besonders diesen Gedanken. Lämschin schwieg, doch sah er einverstanden aus. Wirginski war noch unentschlossen und wollte erst noch Pjotr Stepanowitsch anhören. Und so kam denn der Beschluß zustande, nach dem man zuerst Pjotr Stepanowitsch noch einmal vernehmen sollte. Dieser aber kam noch immer nicht; eine solche Vernachlässigung trug entschieden nicht zur Beruhigung der Gemüter bei. Erkel schwieg natürlich und reichte bloß den Tee herum, den er persönlich von den beiden Schwestern in Gläsern auf einem Teebrett brachte, da er das Dienstmädchen nicht hereinlassen wollte und auch den Samowar nicht im Zimmer aufstellen ließ.

Endlich erschien Pjotr Stepanowitsch. Es war schon neun Uhr. Er trat mit schnellen Schritten an den runden Tisch vor dem Sofa, an dem die Gesellschaft Platz genommen hatte, behielt die Mütze in der Hand und für Tee dankte er. Er sah böse, streng und hochmütig aus. Offenbar hatte er den Gesichtern sofort angemerkt, daß man „rebellierte“.

„Bevor ich meinen Mund aufmache, bringen Sie Ihre Sachen vor. Scheinen ja so was zu beabsichtigen,“ bemerkte er mit einem bösen Spottlächeln, während seine Augen über die Physiognomien glitten.

Da begann Liputin „im Namen aller“ und erklärte mit einer Stimme, der man das Gekränktsein anhörte, daß man, wenn man so fortfahren wollte, um seinen eigenen Kopf spielte. Oh, nicht, daß sie sich fürchteten, nein, durchaus nicht, und sie seien sogar zu allem bereit, jedoch nur für die allgemeine Sache! (Bewegung und Zustimmung der anderen.) Darum soll man aber aufrichtig zu ihnen sein, damit sie im voraus Bescheid wüßten, denn „wohin soll das sonst führen?“ (wieder zustimmende Bewegung und ein paar dumpfe Kehllaute). So zu handeln sei aber erniedrigend und gefährlich ... Nicht, daß man sich fürchte, wie gesagt, aber wenn nur ein einziger handeln wolle und die anderen bloß gehorchen müßten, so könne zum Beispiel dieser eine lügen und die anderen fielen dann alle „wie die Tölpel herein“, (Ausrufe: ja, ja! Allgemeine Zustimmung.)

„Zum Teufel, was wollen Sie denn?“

„Was für eine Beziehung haben die Intrigen des Herrn Stawrogin zu der allgemeinen Sache?“ brauste Liputin auf. „Mag er da meinetwegen auf irgendeine geheimnisvolle Weise zur Zentrale gehören, – wenn nur diese phantastische Zentrale überhaupt existiert! – Das ist es, was wir wissen wollen! Und währenddessen wird ein Mord begangen, die Polizei aufgeweckt – und nach dem Faden kann man bis zum Knäuel gehen.“

„Sie werden mit diesem Stawrogin schon hereinfallen, und wir gleichfalls,“ fügte der Volkskenner hinzu.

„Und ganz unnütz für die allgemeine Sache,“ schloß Wirginski wehmütig.

„Welch ein Blödsinn! Dieser Mord ist ein Zufall, von Fedjka begangen, um zu rauben.“

„Hm! Ein merkwürdiges Zusammentreffen,“ meinte Liputin gewunden.