„Allerdings,“ bestätigte Pjotr Stepanowitsch, „aber auch das ist vorgesehen. Wir haben ein Mittel, den Verdacht vollständig abzulenken.“
Und mit der vorigen Ausführlichkeit erzählte er von Kirilloff, von dessen Absicht, sich zu erschießen, und daß er versprochen habe, mit dem Selbstmord bis zur bestimmten Zeit zu warten, und obendrein noch einen Brief, in dem er alles auf sich nahm, was man ihm in die Feder diktierte, zu hinterlassen.
„Seine feste Absicht, sich das Leben zu nehmen – sie ist philosophisch, doch meiner Meinung nach einfach verrückt –, wurde dort bekannt,“ fuhr Pjotr Stepanowitsch fort zu erklären. „Dort aber verliert man weder ein Haar noch ein Stäubchen umsonst, alles wird zum Nutzen der allgemeinen Sache verwandt. Da man den Nutzen, den er damit bringen konnte, sofort einsah und sich überzeugte, daß sein Vorsatz unerschütterlich war, so gab man ihm das Geld zur Rückreise nach Rußland (aus irgendeinem Grunde wollte er nur in Rußland sterben), gab ihm einen Auftrag, den zu erfüllen er auf sich nahm (was er auch getan hat), und außerdem verpflichtete man ihn zu dem besagten Versprechen, sich erst dann zu erschießen, wenn man ihm das Signal geben würde. Er versprach alles. Und nicht zu vergessen, daß er aus ganz besonderen Gründen der Sache angehört und selbst wünscht, ihr nützlich zu sein. Mehr darf ich Ihnen nicht mitteilen. Morgen, nach Schatoff, werde ich ihm den Brief diktieren, daß er Schatoff umgebracht hat. Das wird sehr glaublich erscheinen: sie waren beide Freunde, fuhren zusammen nach Amerika, dort haben sie sich entzweit, und das wird alles im Brief erklärt werden ... und ... und ich glaube, je nach den Umständen, wird man ihm vielleicht noch einiges diktieren können, zum Beispiel, was die Proklamationen betrifft, und vielleicht teilweise auch den Brand. Übrigens, darüber werde ich noch nachdenken. Beruhigen Sie sich, er hat keine Vorurteile: er unterschreibt alles.“
Trotzdem wurden einige Zweifel laut. Die Geschichte erschien doch zu phantastisch. Von Kirilloff hatten alle schon mehr oder weniger gehört. Liputin natürlich am meisten.
„Plötzlich kann er aber nachdenken und nicht mehr wollen,“ sagte Schigaleff, „denn so oder so, wie man’s auch nimmt, er ist doch nun einmal verrückt, also kann man da gar nicht sicher sein.“
„Seien Sie unbesorgt, er wird wollen,“ schnitt Pjotr Stepanowitsch kurz ab. „Nach jener Abmachung bin ich verpflichtet, ihn am Vorabend zu benachrichtigen, also heute noch. Ich würde vorschlagen, daß Liputin mit mir zu ihm geht und sich selbst überzeugt und Ihnen dann mitteilt – er kann ja von dort hierher zurückkehren –, ob ich die Wahrheit gesagt habe, oder nicht. Übrigens,“ brach er plötzlich ab, maßlos gereizt und hochmütig, als ob er diesen Leuten schon zuviel Ehre antat, wenn er sich in dieser Weise mit ihnen abgab, „übrigens, machen Sie, was Sie wollen. Wenn Sie sich nicht entschließen, so ist der Bund zerrissen – und zwar einzig wegen Ihres Ungehorsams und Verrats. So sind wir denn von diesem Augenblick an getrennt – ein jeder für sich. Doch vergessen Sie nicht, daß Sie sich in diesem Fall, außer der Schatoffschen Anzeige und deren Folgen, noch eine andere kleine Unannehmlichkeit zuziehen, die Ihnen bei der Gründung Ihrer Gruppe bestimmt und unmißverständlich erklärt wurde, wessen Sie sich wohl noch erinnern werden. Was mich betrifft, meine Herren, so fürchte ich Sie nicht gerade sonderlich ... Aber denken Sie nur nicht, daß ich mich mit Ihnen gar so eng verbunden fühle ... Übrigens, das ist ja gleichgültig.“
„Nein, wir entschließen uns,“ erklärte Lämschin.
„Einen anderen Ausweg gibt es nicht,“ murmelte Tolkatschenko, „und wenn Liputin uns das von Kirilloff bestätigt, so ...“
„Ich bin dagegen! Ich protestiere mit allem, was mir heilig ist, gegen einen solchen blutigen Entschluß!“ rief Wirginski, plötzlich aufstehend.
„Aber?“ fragte Pjotr Stepanowitsch.