„Macht nichts.“
„Aber ... wir verspäten uns! Es ist schon gleich zehn.“
„Zu dem da kann man nie zu spät kommen.“
„Aber ich komme dann doch zu spät! Die warten doch dort auf mich!“
„Na, mögen sie doch. Es wäre nur dumm von Ihnen, wenn Sie zu jenen noch zurückkehrten. Dank der Schererei mit Ihnen da habe ich heute noch nicht zu Mittag gespeist. Zu Kirilloff aber kommt man je später, desto besser.“
Pjotr Stepanowitsch wünschte in einem besonderen Zimmer zu speisen. Liputin setzte sich geärgert und gekränkt in einen Sessel und sah zu, wie er aß. Es verging eine gute halbe Stunde. Pjotr Stepanowitsch beeilte sich nicht, aß mit großem Appetit, klingelte und verlangte anderen Senf, darauf Bier und sprach die ganze Zeit über kein Wort. Er war tief nachdenklich – er konnte tatsächlich beides zugleich: mit Appetit essen und tief nachdenklich sein. Liputins Haß steigerte sich schließlich so weit, daß er nicht mehr fähig war, seine Blicke von ihm loszureißen: das war fast schon eine Art Nervenkrampf. Er begleitete jedes Stückchen Fleisch vom Teller bis zum Munde, und er haßte Pjotr Stepanowitsch sogar schon dafür, wie er den Mund aufmachte, wie er kaute, wie er die saftigeren Bissen sich schmecken ließ, ja er haßte schließlich das Beefsteak selbst. Zum Schluß begann alles sich vor seinen Augen zu drehen; dazu im Kopf ein leises Schwindelgefühl; heiß und kalt lief es ihm abwechselnd über den Rücken.
„Sie haben nichts zu tun, lesen Sie dies,“ sagte plötzlich Pjotr Stepanowitsch und warf ihm ein Blatt Papier zu.
Liputin näherte sich dem Licht. Das Papier war mit einer kleinen, unleserlichen Handschrift eng beschrieben und fast auf jeder Zeile korrigiert. Als er es durchgelesen, bemerkte er, daß Pjotr Stepanowitsch schon bezahlt hatte und bereits im Begriff war, fortzugehen. Auf der Straße reichte ihm Liputin das Papier zurück.
„Behalten Sie es,“ sagte Pjotr Stepanowitsch, „werde Ihnen später sagen, wozu. Übrigens: wie finden Sie es?“
Liputin erbebte förmlich vor Wut.