„Sitzt in der Küche, ißt und trinkt.“

„Wie wagt der Kerl! ...“ Pjotr Stepanowitsch wurde rot vor Zorn. „Er war verpflichtet zu warten ... Unsinn! Er hat ja weder Geld noch einen Paß!“

„Ich weiß nicht. Er ist gekommen, um sich zu verabschieden. Ist angekleidet und bereit, geht fort und kommt nicht wieder. Er sagte, daß Sie ein gemeiner Mensch sind und will nicht auf Ihr Geld warten.“

„A–ah! Er fürchtet, daß ich ... nun ja, ich kann ihn auch jetzt, wenn ... Wo ist er, in der Küche?“

Kirilloff öffnete eine Seitentür zu einem kleinen, dunklen Zimmer, aus dem drei Stufen in die Küche hinabführten. Von der Küche war, gleich bei der Tür, durch eine Bretterwand eine Kammer abgeteilt, in der gewöhnlich das Bett des Dienstmädchens stand. Hier saß nun in der Ecke unter den Heiligenbildern Fedjka vor einem unbedeckten Brettertisch, auf dem ein halbes Liter Schnaps, Brot auf einem Teller und in einer irdenen Schüssel ein kaltes Stück Rindfleisch und Kartoffeln standen. Er aß mit Genuß und schien schon halb betrunken zu sein, doch war er in kurzem Pelz und augenscheinlich zum Aufbruch bereit. Hinter der Bretterwand in der Küche summte schon der Samowar, doch der war nicht für Fedjka aufgestellt, sondern Fedjka selbst blies ihn jeden Abend mit seiner ganzen Lungenkraft für „Alexei Nylitsch“ an, „dieweil Sie daran überaus gewöhnt sind, nachts immerzu Tee zu trinken!“ Ich vermute stark, daß das Rindfleisch und die Kartoffeln, da kein Mädchen im Hause war, von Kirilloff selbst schon am Morgen für Fedjka gebraten worden waren.

„Was ist dir eingefallen?“ rief Pjotr Stepanowitsch und stürzte die Stufen hinunter. „Warum hast du nicht dort auf mich gewartet, wo man es dir befohlen hat?“

Und zornig schlug er mit der Faust auf den Brettertisch.

Fedjka nahm eine würdevollere Haltung an.

„Du, wart ein bißchen, Pjotr Stepanowitsch, wart ein bißchen,“ sagte er, fast mit stutzerhafter Deutlichkeit die Worte aussprechend, „du mußt als erste Pflicht verstehen, daß du hier auf edlen Besuch bei Herrn Kirilloff, Alexei Nylitsch, bist, bei dem du dessen Stiefel putzen kannst, denn er ist vor dir ein gebildeter Verstand, du aber bist nur ein – Pfui!“

Und er spie elegant zur Seite, daß der Speichel trocken wie ein Wurf zu Boden flog. Man sah ihm Hochmut, Entschlossenheit und ein gewisses, höchst gefährliches, trügerisch ruhiges Klugredenwollen an – bis zum ersten Ausbruch. Doch Pjotr Stepanowitsch hatte schon keinen Sinn mehr dafür, auf die Gefahr zu achten, und das vertrug sich schließlich auch nicht mit seiner Auffassung der Dinge. Und die Ereignisse und Mißerfolge dieses Tages hatten ihn zudem schon um jede Überlegung gebracht ... Liputin, der über den drei Stufen in der Tür stehen blieb, sah neugierig aus dem dunklen Zimmer in die Kammer hinab.