„Willst du, oder willst du nicht einen richtigen Paß haben und gutes Geld zur Fahrt, wohin man dir gesagt hat? Ja oder nein?“

„Siehst du, Pjotr Stepanowitsch, du hast mich von Anfang an betrogen, und darum bist du vor mir der reine Gauner, bist ganz wie eine verfluchte Hundelaus, – siehst du, dafür halt ich dich. Du hast mir für unschuldiges Blut großes Geld und das Blaue vom Himmel herunter versprochen, und für Herrn Stawrogin hast du geschworen, und was ist dahinter? Es kommt immer nur deine Gaunerei heraus! Ich, so wie ich bin, bin mit keinem Tropfen Blut daran schuld, nicht, daß da tausendfünfhundert, dir aber hat Herr Stawrogin neulich so um die Ohren gewischt, daß auch wir das schon wissen. Jetzt drohst du mir von neuem und versprichst mir Geld, aber wofür – darüber schweigst du. Ich aber denke so bei mir: du schickst mich nach Petersburg, um dich an Herrn Stawrogin, Nicolai Wszewolodowitsch, zu rächen und rechnest auf meine Leichtgläubigkeit. Und somit gehst du als der erste Mörder aus allem hervor. Und weißt du auch, was du mit allein diesem einen Punkte schon wert geworden bist, daß du an Gott selbst, den wahrhaftigen Schöpfer, wegen deiner Verderbnis nicht mehr glaubst? Das ist schon ebenso wie Heide sein, stehst also auf einer Stufe mit Tatar oder Mordwine. Herr Kirilloff, Alexei Nylitsch, der ein großer Philosoph ist, hat dir schon mehrmals den wahren Gott, den heiligen Schöpfer aller Dinge, erklärt, und desgleichen die ganze Schöpfung der Erde wie alle zukünftigen Schicksale und die Verwandlung aller Kreaturen und alles Gewürms aus dem Buch der Apokalypse. Du aber bist wie ein unverständiges Götzenbild und verharrst in Taubheit und Stummheit, und hast dazu auch den Offizier Erteleff gebracht, ganz wie der leibhaftige Bösewicht und Verführer, so da heißt Atheist ...“

„Ach du, besoffene Fratze! – Beraubt selbst Heiligenbilder und verkündet jetzt noch Gott!“

„Ja, siehst du, Pjotr Stepanowitsch, ich sage dir ganz aufrichtig, daß ich sie beraubt habe, aber ich habe bloß ein einziges Perlchen rausgenommen, und was kannst du wissen, vielleicht hat sich meine reuige Träne in demselben Augenblick im Schmelzofen des Allerhöchsten verwandelt für irgendein Unrecht, das mir geschehen ist, da ich doch nicht mal was habe, wo ich mein Haupt hinlegen kann. Weißt du auch aus den Büchern, daß einmal in alten Zeiten ein Kaufmann mit ganz genau so einem Tränenseufzer und Gebet wie ich aus dem Heiligenschein der heiligen Mutter Gottes eine Perle stibitzt und dann später kniefällig vor allem Volk das ganze Geld der Gottesmutter zu Füßen gelegt hat, und daß ihn da die heilige Fürsprecherin mit dem goldgestickten Tuch gesegnet hat, daselbst vor allem Volk, so daß denn schon damals ein Wunder daraus geschah und von der Obrigkeit anbefohlen wurde, alles buchstäblich in die Reichsbücher einzutragen. Du aber hast eine Maus hineingesteckt, also hast du Gott selber beschimpft. Und wenn du nicht mein angeborener Herr wärst, den ich, als ich noch ein Junge war, auf meinen Armen gewiegt habe, so würde ich dich jetzt, so wie du da bist, mit eins totschlagen, ohne hier anders vom Fleck zu gehen!“

Pjotr Stepanowitsch geriet in maßlosen Zorn.

„Sprich, hast du heute Stawrogin gesehen?“

„Das darfst du nicht wagen, daß du mich ausfragen tust. Herr Stawrogin steht in dieser Sache nur in Verwunderung vor dir da und hat sich nicht mal mit ’nem Wunsch dran beteiligt, was aber von einer Anordnung oder Geld, davon schon ganz zu schweigen. Du hast mich rundherum betrogen!“

„Das Geld bekommst du, und die zweitausend bekommst du auch, in Petersburg, am angegebenen Ort, alle auf einmal, und wirst noch mehr bekommen.“

„Du, mein Bester, du lügst nur wieder, und es ist mir fast lustig zu sehen, was für ein leichtgläubiger Verstand du bist. Herr Stawrogin steht vor dir wie auf einer hohen Treppe und du kläffst nur von unten wie ein dummes Hündchen, während er von oben auf dich auch nur zu spucken schon für eine große Ehre für dich halten würde.“

„Aber weißt du auch,“ rief Pjotr Stepanowitsch in rasender Wut, „daß ich dich, Schurke, nicht einen Schritt von hier lasse und dich sofort der Polizei übergebe!“