Liputin erinnerte sich des Revolvers und zitterte noch von dem, was geschehen war; aber die Antwort fiel ihm plötzlich wie von selbst von den Lippen:

„Ich denke ... ich denke, daß man ‚bis nach Taschkent‘ keineswegs so sehnsüchtig darauf wartet, was ‚der Student‘ da anpreist.“

„Haben Sie gesehen, was Fedjka in der Küche trank?“

„Was er trank? Branntwein trank er.“

„Nun, so wissen Sie denn, daß er zum letzten Mal im Leben Branntwein getrunken hat. Ich empfehle, für fernere Erwägungen das zu behalten. Jetzt aber scheren Sie sich zum Teufel! Bis morgen sind Sie weiter nicht nötig ... Nur – denken Sie an mich! keine Dummheiten machen!“

Liputin jagte Hals über Kopf nach Haus.

IV.

Liputin hatte sich schon vor langer Zeit einen Paß auf einen fremden Namen besorgt. Es ist eigentlich eine sonderbare Vorstellung, daß dieser ordentliche kleine Mensch, dieser eigensinnige Familientyrann und vor allem Beamte (wenn er auch Fourierist war), daß dieser Kapitalist und Kuponschneider schon vor langer Zeit auf den phantastischen Gedanken hatte verfallen können, sich auf alle Fälle so einen Paß zu verschaffen, um sich mit ihm ins Ausland zu retten, wenn ... Er gab also doch die Möglichkeit dieses „Wenn“ zu, obschon er gewiß nicht hätte formulieren können, was er unter diesem „Wenn“ verstand ...

Jetzt aber hatte es sich plötzlich selbst formuliert, und noch dazu auf die allerunerwartetste Weise. Jener tollkühne Gedanke, mit dem er bei Kirilloff eingetreten war, nachdem er Pjotr Stepanowitschs „R–rrrüpel“ eingesteckt hatte, bestand darin, morgen noch, womöglich vor Sonnenaufgang, alles zu verlassen und sich ins Ausland in Sicherheit zu bringen! Wer nicht glauben will, daß so phantastische Dinge in unserer alltäglichen Wirklichkeit geschehen, der möge sich die Lebensgeschichten unserer gegenwärtigen Emigranten im Ausland einmal näher ansehen. Kein einziger von ihnen hat eine vernünftigere Flucht hinter sich. Immer war es die gleiche ungebändigte Herrschaft der Hirngespinste und nichts weiter.

Als Liputin zu Hause anlangte, war das erste, was er tat, daß er seinen Reisesack hervorholte und zu packen begann. Seine größte Sorge war das Geld, wie viel und wie er es retten konnte. Jawohl: „retten“, denn seiner Meinung nach durfte er nicht eine Stunde mehr säumen und mußte womöglich schon bei Sonnenaufgang unterwegs sein. Auch wußte er noch nicht recht, wo er am besten in den Zug steigen sollte; schließlich entschloß er sich, irgendwo auf der zweiten oder dritten Station einzusteigen, bis dorthin aber zu Fuß zu laufen. So plagte er sich denn mit seinem Reisesack herum, einen ganzen Wirbelsturm von Gedanken im Kopf, und – plötzlich warf er alles hin und sank mit einem tiefen Stöhnen auf seinen Diwan und streckte sich auf ihm aus.