Wieder wurde im Hause geflüstert, wieder schienen sie sich zu beraten.
„Hören Sie, irren Sie sich nicht? Hat sie selbst Sie zu mir geschickt?“
„Nein, sie hat mich nicht geschickt, sie will nur ein Weib haben, ein einfaches Weib, um mich nicht mit Ausgaben zu belasten, aber seien Sie unbesorgt, ich werde alles bezahlen.“
„Gut, ich komme, ob Sie zahlen oder nicht. Ich habe stets die selbständigen Anschauungen Marja Ignatjewnas zu schätzen gewußt, wenn sie sich auch meiner vielleicht nicht mehr erinnert. Haben Sie die notwendigsten Sachen?“
„Ich habe nichts, aber es wird alles, alles gleich zur Stelle sein! ... Also Sie kommen?“
Damit lief Schatoff auch schon fort: diesmal zu Lämschin.
„Es gibt doch in diesen Leuten noch Großmut!“ dachte er auf dem Wege. „Die Überzeugungen und der Mensch, – das sind, glaube ich, in vielem zwei ganz verschiedene Dinge. Ich habe ihnen vielleicht in manchem Unrecht getan! ... Alle Menschen sind schuldig, alle sind schuldig und ... wenn doch alle das einsehen würden! ...“
Bei Lämschin brauchte er nicht lange zu klopfen: es wurde überraschend schnell geöffnet. Lämschin war aber auch schon beim ersten Schlag aus dem Bett gesprungen und steckte – mit bloßen Füßen, nur im Hemd – im Nu den Kopf zum Luftfenster hinaus, ungeachtet dessen, daß er sich so einen Schnupfen zu holen riskierte; er aber war sonst sehr vorsichtig und stets um seine Gesundheit besorgt. Doch diese Scharfhörigkeit und Eile hatten einen besonderen Grund: Lämschin hatte nämlich nach der Sitzung bei Erkel überhaupt nicht einschlafen können und den ganzen Abend und die halbe Nacht nur so gezittert vor Aufregung. Ihm schwante die ganze Zeit, daß sogleich gewisse ungebetene und unerwünschte Gäste bei ihm erscheinen würden. Denn ihn, Lämschin, quälte am meisten die Nachricht von Schatoffs Denunziation. Und nun plötzlich, wie absichtlich, wurde so furchtbar laut und befehlend an sein Fenster geklopft! ...
Als er Schatoff erblickte, erschrak er so, daß er sofort das Fenster zuschlug und ins Bett zurücklief. Schatoff aber begann wütend zu rufen und zu klopfen.
„Wie dürfen Sie so schreien und klopfen mitten in der Nacht?“ rief das Jüdchen drohend und doch fast vergehend vor Angst, – und auch das erst nach ganzen zwei Minuten der Unentschlossenheit und erst nachdem er sich überzeugt hatte, daß Schatoff ganz allein gekommen war.