„Ich gehe nicht früher fort!“ schrie Schatoff.
„Nu, nehmen Sie noch das, nu, hier ist noch, sehen Sie, hier ist noch, aber mehr gebe ich nich. Schreien Sie sich meinetwegen die Kehle kaputt, ich geb nich mehr, was Sie da auch nich machen – geb nich mehr, geb nich, geb nich!“
Er war außer sich, in Verzweiflung, in Schweiß. Die beiden Geldscheine, die er noch gab, waren nur Einrubelscheine. Im ganzen hatte Schatoff sieben Rubel bekommen.
„Daß dich der Teufel hole, ich komme morgen. Und ich haue dich, Lämschin, wenn du die acht Rubel nicht bereit hast!“
„Und morgen bin ich einfach nich zu Haus, Dummkopf!“ dachte Lämschin blitzschnell.
„Warten Sie, warten Sie, Herr Schatoff!“ rief er ihm plötzlich nach. „Warten Sie, kommen Sie zurück! – Sagen Sie, bitte, ist es wirklich wahr, was Sie gesagt haben, daß Ihre Frau zurückgekommen ist?“
„Esel!“ sagte Schatoff ausspuckend und lief so schnell er konnte nach Hause.
IV.
Arina Prochorowna wußte nichts von dem in der Sitzung gefaßten Beschluß. Wirginski, der ganz schwach nach Hause gekommen war, hatte ihr in seiner Aufregung zwar einiges mitgeteilt, alles jedoch noch nicht zu sagen gewagt. Im Grunde war es nur die Nachricht von Schatoffs bevorstehender Denunziation, die sie erfahren hatte. Wirginski fügte wohl noch hinzu, daß er an diese Nachricht selber nicht ganz glaube, doch Arina Prochorowna war nichtsdestoweniger heftig erschrocken. Aus diesem Grunde entschloß sie sich sofort, als Schatoff sie zu seiner Frau rief, trotz ihrer Müdigkeit (sie hatte in der Nacht vorher auch schon entbunden) zu ihm zu gehen. Sie hatte schon längst, wie sie sagte, diesen Schatoff für fähig gehalten, „eine bürgerliche Gemeinheit zu begehen“, und glaubte darum an eine Anzeige von seiner Seite weit eher als ihr Mann. Als sie aber hörte, daß Marja Ignatjewna zurückgekehrt war, da schöpfte sie sofort neue Hoffnung: Schatoffs Angst, der verzweifelte Ton seiner Bitte ließen sie eine gewisse „Umwandlung in den Gefühlen des Verräters“ ahnen. Ein Mensch, dachte sie, der sich entschlossen hat, sich selbst zu verderben, nur um andere auszuliefern, würde anders aussehen und anders sprechen. Jedenfalls entschloß sich Arina Prochorowna sofort, alles mit eigenen Augen zu untersuchen. Und auf Wirginski wirkte der Entschluß seiner Frau unendlich beruhigend – als ob man ihm „fünf Pud“ von der Seele genommen hätte! Auch in ihm stieg eine neue Hoffnung auf: das Aussehen Schatoffs schien ihm im höchsten Grade Werchowenskis Verdacht zunichte zu machen.
Schatoff hatte sich nicht getäuscht: als er zurückkam, fand er Arina Prochorowna schon in seinem Zimmer. Sie war erst vor ein paar Minuten eingetroffen, hatte den unten an der Treppe Wacht haltenden Kirilloff mit Verachtung weggejagt und sich schnell und so gut das möglich war, mit Marie verständigt. Angetroffen hatte sie ihre Patientin „in der gemeinsten Verfassung“, das heißt, böse, gereizt und „im allerdümmsten Kleinmut“ – aber schon nach wenigen Worten hatte sie Maries sämtliche Einwendungen besiegt.