„Was jammern Sie da, daß Sie keine teure Hebamme haben wollen?“ sagte sie gerade in dem Augenblick, als Schatoff eintrat, „der reinste Blödsinn, verdrehte Gedanken, die von Ihrem unnormalen Zustande kommen. Mit Hilfe irgendeines alten Bauernweibes hätten Sie fünfzig Chancen, schlecht zu enden, jawohl, und dann gibt es schon mehr Scherereien und Ausgaben, als wenn Sie eine teure nehmen. Und woher wissen Sie überhaupt, daß ich teuer bin? Sie können später bezahlen, von Ihnen werde ich nicht mehr verlangen als recht ist, und ich garantiere für eine gute Entbindung: bei mir werden Sie schon nicht sterben, das ist bei mir noch nie vorgekommen. Und das Kind – das kann ich Ihnen morgen noch in einer Anstalt unterbringen, und später geben wir es ins Dorf zur Erziehung, womit die Sache dann abgetan ist. Sie aber werden schnell gesund, machen sich an eine vernünftige Arbeit und ‚entschädigen‘ dann meinetwegen Schatoff für das Zimmer und die Ausgaben, die durchaus nicht so groß sein werden ...“

„Ach, nicht das ... Ich habe nicht das Recht, ihn zu belästigen ...“

„Sehr rationell und bürgerlich gedacht, aber, wie gesagt, Schatoff wird fast überhaupt keine Auslagen haben, glauben Sie mir, – wenn er sich nur aus einem phantastischen Herrn in einen Menschen mit vernünftigen Ideen verwandeln wollte! Vor allem sollte man ihn keine Dummheiten machen, nicht gleich lostrommeln und mit herausgestreckter Zunge durch die Stadt rennen lassen! Er hat jetzt hier zu bleiben! Wenn man ihn nicht mit Gewalt festhält, so schleppt er uns bis zum Morgen womöglich noch sämtliche Ärzte zusammen: er hat doch bei mir alle Hunde zum Kläffen gebracht! Ärzte brauchen wir nicht, ich habe schon gesagt, daß ich für alles garantiere. Ein altes Weib kann man meinetwegen noch zur Bedienung annehmen, das kostet auch weiter nicht viel. Übrigens kann er sich auch selbst nützlich machen, er braucht doch nicht nur zu Dummheiten fähig zu sein. Er hat doch Arme und Beine, kann also in die Apotheke laufen, ohne dabei irgendwie Ihre Gefühle mit ‚Wohltaten‘ zu verletzen. Was Teufel ‚Wohltaten‘! Hat er Sie denn nicht selbst in diese Lage gebracht? Er hat Sie doch damals zum Bruch mit dieser Familie getrieben, in der Sie Lehrerin waren, mit dem selbstsüchtigen Ziel, Sie dann heiraten zu können!? Wir haben doch davon gehört ... Übrigens kam er doch selbst angelaufen und hat bei uns geschrien und getobt wie ein Verrückter. Ich binde mich wahrhaftig niemandem auf und bin nur um Ihretwillen gekommen, aus Prinzip, weil wir unter uns zur Solidarität verpflichtet sind. Das habe ich ihm übrigens auch gesagt. Wenn ich aber nach Ihrer Meinung hier überflüssig bin, dann sagen Sie es nur und – leben Sie wohl! Daß bloß kein Unglück geschieht, was so leicht zu verhüten wäre.“ Und sie erhob sich sogar schon von ihrem Stuhl.

Marie war aber so hilflos, litt dermaßen und – um die Wahrheit zu sagen – fürchtete sich so maßlos vor dem, was ihr bevorstand, daß sie es jetzt selbst nicht mehr wagte, die Wirginskaja von sich zu lassen. Dafür aber war ihr diese Frau plötzlich geradezu verhaßt: die sprach da von ganz anderem, nur nicht von dem, was in Maries Seele vorging! Doch die Möglichkeit, in den Händen einer ungeschickten Hebamme zu sterben, besiegte den Widerwillen. Zu Schatoff jedoch wurde sie von nun an noch herrischer, noch unnachsichtiger: schließlich verbot sie ihm nicht nur, sie anzusehen, sondern er durfte nicht einmal mit dem Gesicht zu ihr gewandt stehen. Dabei wurden ihre Schmerzen immer stärker und ihre Flüche und selbst Schimpfworte immer sinnloser.

„Ach, was da! wir schicken ihn einfach hinaus,“ schnitt Arina Prochorowna kurz ab. „Mit seinem Gesicht erschreckt er Sie nur: bleich ist er wie ein Toter! Was haben denn Sie zu fürchten, Sie komischer Mensch? Das ist mir mal eine Komödie!“

Schatoff antwortete nicht: er hatte sich vorgenommen, um nicht unnütz zu reizen, einfach nichts zu erwidern.

„Ach, habe ich dumme Väter in solchen Fällen gesehen! Die verlieren nun mal immer den Verstand. Aber die haben dann doch wenigstens ...“

„Hören Sie auf, oder gehen Sie, damit ich endlich sterbe! Kein Wort mehr! Ich will nicht, will nicht!“ keuchte Marie in Qualen.

„Da kann man ja überhaupt nichts mehr sprechen! Ich sehe nur, daß Sie die Vernunft verloren haben. Doch zur Sache: sagen Sie, haben Sie schon etwas vorbereitet? Antworten Sie, Schatoff, denn sie hat jetzt keinen Sinn dafür.“

„Sagen Sie, bitte, was denn eigentlich nötig ist.“