„Er ist mein Sohn.“

„Natürlich, er heißt Schatoff, nach dem Gesetz ist er ein Schatoff, und Sie haben keine Ursache, sich als Wohltäter des Menschengeschlechts aufzuspielen. Ohne Phrasen geht’s ja nicht. Nun, nun, schon gut, nur noch eines, meine Herrschaften,“ schloß sie endlich, sich bereits ankleidend, „ich muß nämlich jetzt gehen. Ich werde am Vormittag wiederkommen und auch am Abend, falls es nötig sein sollte; jetzt aber muß ich, da hier alles so glücklich überstanden ist, zu meinen anderen Patientinnen, die warten schon lange auf mich. Sie haben dort irgendwo eine Alte ... Aber Alte hin, Alte her, deshalb können auch Sie sich immer noch nützlich machen. Daß Sie sie mir nicht allein lassen! – setzen Sie sich als liebes Männchen an ihr Bett – Marja Ignatjewna wird Sie, glaub’ ich, jetzt nicht mehr fortjagen ... nun, nun, ich scherze ja nur ...“

Bei der Pforte, die Schatoff für sie aufschloß, sagte sie noch zu ihm:

„Sie haben mich für mein ganzes Leben erheitert! Geld nehme ich von Ihnen nicht, werd’ noch im Schlaf lachen müssen. Komischeres als Sie in dieser Nacht, habe ich in meinem Leben noch nicht gesehn.“

Sie ging vollkommen zufrieden fort. Nach Schatoffs Aussehen und allen seinen Worten war es für sie klar wie das Sonnenlicht, daß dieser Mensch „sich jetzt in die Rolle des Vaters einfühlen wird und der letzte Lappen ist“, – ans Denunzieren also überhaupt nicht denken werde. So eilte sie denn, obgleich die Wohnung einer Patientin am Wege lag, zuerst nach Haus, um diese Beobachtungen ihrem Mann zur Beruhigung mitzuteilen.

„Marie, sie hat dir gesagt, daß du nicht gleich schlafen sollst, wenn das auch, fürchte ich, sehr schwer ist ...“ begann Schatoff schüchtern. „Ich werde mich hier ans Fenster setzen und auf dich acht geben, nicht?“

Und er setzte sich hinter dem Diwan ans Fenster, doch so, daß sie ihn auf keine Weise sehen konnte. Aber es verging nicht eine Minute, da rief sie ihn schon wieder und bat gereizt, ihr das Kissen zurechtzurücken. Er versuchte es vorsichtig. Sie sah böse zur Wand.

„Nicht so, ach, nicht so ... Was für ungeschickte Hände!“

Schatoff bemühte sich, es besser zu machen.

„Beugen Sie sich zu mir,“ sagte sie plötzlich und gab sich die größte Mühe, ihn nicht anzusehen.