„Ja, ja ... Ich würde sogar ganz im Gegenteil ... würde sogar ein ganzer Lump sein wollen ... Das heißt, nein ... nicht so ... durchaus nicht ein Lump, sondern ... ich wollte sagen: im Gegenteil, lieber vollkommen unglücklich, als ein Lump ...“
„Nun, so merken Sie sich, daß Schatoff diese Anzeige für seine bürgerliche Heldentat hält, für eine Tat, die er seiner höchsten Überzeugung schuldig ist. Und der Beweis: daß er doch auch sich selbst damit in Gefahr begibt und der Regierung ausliefert, obschon man ihm für die Anzeige natürlich manches verzeihen wird. So einer wird sein Vorhaben schon nie aufgeben. Den kann kein Glück besiegen: schon am nächsten Tage würde er sich besinnen, sich Vorwürfe machen, hingehen und es tun. Außerdem kann ich kein besonderes Glück darin erblicken, daß die Frau nach drei Jahren zu ihm zurückgekehrt ist, um Stawrogins Kind zu gebären.“
„Aber es hat doch noch niemand seine Anzeige gesehen,“ sagte Schigaleff plötzlich und eindringlich.
„Die Anzeige habe ich gesehen,“ rief Pjotr Stepanowitsch, „sie ist fertig, und dieses müßige Gerede ist furchtbar dumm, meine Herren!“
„Ich aber,“ fuhr plötzlich Wirginski auf, „ich protestiere ... ich protestiere aus aller Kraft ... Ich will ... Hören Sie, was ich will: ich will, daß wir, wenn er kommt, ihm alle entgegengehen und ihn alle fragen: wenn es wahr ist, so soll er bereuen, und wenn er sein Ehrenwort gibt, so soll man ihn wieder freilassen. Auf jeden Fall aber – Verhör, und das Urteil nach dem Verhör! Und nicht, daß wir uns alle verstecken und ihn dann überfallen.“
„Auf ein Ehrenwort die ganze allgemeine Sache setzen! – das ist schon die Höhe aller Dummheit! Hol’s der Teufel, wie das dumm ist!! Und was ist das für eine Rolle, die Sie im Augenblick der Gefahr spielen?“
„Ich protestiere, ich protestiere, ich protestiere,“ wiederholte Wirginski immer wieder.
„Jedenfalls schreien Sie nicht so, wir können sonst das Signal nicht hören. Schatoff, meine Herren ... (Teufel noch eins, wie das jetzt dumm ist!) Ich habe Ihnen schon gesagt, daß Schatoff Slawophile ist, das heißt so viel, wie einer der dümmsten Menschen ... Aber übrigens, zum Teufel, das ist schließlich gleichgültig! Sie bringen mich nur aus dem Konzept! ... Schatoff, meine Herren, war ein verbitterter Mensch, und da er immerhin noch zum Verband gehörte, ob er es wollte oder nicht, so hoffte ich bis zum letzten Augenblick, daß die allgemeine Sache sich seiner noch einmal werde bedienen können – und zwar gerade als eines verbitterten Menschen. Ich habe ihn gehegt und geschont, trotz der ausdrücklichsten Instruktionen ... Ich habe ihn noch hundertmal mehr geschont, als er es wert war! Er aber endete damit, daß er seine Anzeige verfaßte, und nun – hol’s der Teufel, das ist ja zum Anspucken! ... Im übrigen soll es jetzt nur jemand von Ihnen zu versuchen wagen, sich noch zurückzuziehen! Kein einziger von Ihnen hat das Recht, die gemeinsame Sache zu verlassen! Sie können ihn meinetwegen noch alle vorher abküssen, wenn Sie durchaus wollen, aber die allgemeine Sache auf ein Ehrenwort hin aufs Spiel zu setzen, dazu haben Sie nicht das Recht! So können nur Schweine handeln, oder solche, die von der Regierung bestochen sind!“
„Wer ist denn hier von der Regierung bestochen?“ warf Liputin dazwischen.
„Sie vielleicht. Es wäre schon besser, wenn Sie ganz den Mund hielten, Liputin. Sie sprechen ja nur so, nur aus Angewohnheit. Bestochen, meine Herren, sind alle diejenigen, die im Augenblick der Gefahr feig werden. Aus Angst findet sich immer ein Rüpel, der in der letzten Minute hinläuft und losschreit: ‚Ach, verzeihen Sie mir, und ich werde alle ausliefern!‘ Aber wissen Sie auch, meine Herren, daß man Sie jetzt für keine einzige Anzeige mehr begnadigen wird? Wenn man vielleicht auch Milderungsgründe zulassen würde – nach Sibirien ginge es doch mit jedem von Ihnen! Abgesehen davon, daß Sie auch einem gewissen anderen Richtschwert nicht entgehen würden. Dieses andere Schwert aber ist etwas schärfer, als das der Regierung.“