„Aber die haben doch den Verstand verloren!“
Dieser Gedanke war wohl auch Pjotr Stepanowitsch schon durch den Kopf gegangen. Darum ärgerte ihn diese Bemerkung Erkels noch mehr.
„Sind Sie nicht auch schon feige geworden, Erkel? Ich verließ mich auf Sie eigentlich mehr, als auf die anderen zusammen. Jetzt weiß ich, was jeder von ihnen wert ist. Teilen Sie ihnen alles heute noch mündlich mit. Ich vertraue sie Ihnen an. Gehen Sie schon am Morgen zu allen. Meine schriftliche Instruktion können Sie ihnen morgen oder übermorgen vorlesen, wenn sie versammelt sind und fähig, sie zu verstehen ... Glauben Sie mir, die haben furchtbare Angst und werden jetzt weich wie Wachs sein ... Aber die Hauptsache, werden Sie nur nicht melancholisch ...“
„Ach, Pjotr Stepanowitsch, es wäre wirklich besser, wenn Sie nicht verreisten!“
„Aber ich verreise doch nur auf ein paar Tage: ich bin ja im Augenblick wieder zurück.“
„Pjotr Stepanowitsch,“ sagte Erkel schüchtern, „und selbst wenn Sie auch nach Petersburg reisen sollten ... Ich verstehe doch, ich weiß doch, daß Sie nur das für die allgemeine Sache Notwendige tun.“
„Von Ihnen habe ich auch nicht weniger als volles Verständnis erwartet, Erkel. Wenn Sie erraten haben, daß ich nach Petersburg fahre, so werden Sie auch verstehen, daß ich ihnen gestern, in jenem Augenblick, nicht gleich sagen konnte, daß ich in der Tat so weit reise. Ich hätte sie nur unnütz erschreckt. Sie haben ja selbst gesehen, wie sie da alle waren. Aber Sie verstehen doch, daß ich es für die große und wichtige Sache tun muß, für unsere allgemeine Sache, und nicht etwa, um mich persönlich in Sicherheit zu bringen, wie vielleicht irgendein Liputin annimmt.“
„Ich verstehe es ohne weiteres, Pjotr Stepanowitsch, und selbst wenn Sie ins Ausland fahren sollten, ich verstehe es doch, ich weiß, daß Sie Ihre Person nicht so aufs Spiel setzen dürfen, denn Sie sind alles, wir aber sind nichts. Oh, ich verstehe schon, Pjotr Stepanowitsch.“
Die Stimme des armen Knaben bebte sogar.
„Ich danke Ihnen, Erkel ... Au, Sie haben meinen kranken Finger berührt.“ (Erkel hatte ihm recht fest die Hand drücken wollen und dabei nicht an die Verletzung gedacht; der kranke Finger war kunstvoll mit schwarzem Taffett verbunden.) „Aber ich kann Ihnen nur wiederholen, daß ich in Petersburg bloß ein wenig schnuppern will, bleibe dort im ganzen vielleicht vierundzwanzig Stunden – und dann sofort wieder hierher. Zuerst werde ich mich hier auf dem Lande bei Gaganoff niederlassen, Sie verstehen doch – der Leute wegen. Wenn aber die Unsrigen irgendeine Gefahr wittern sollten, so werde ich als erster diese Gefahr mit ihnen teilen. Sollte ich aber etwas länger in Petersburg bleiben müssen, so teile ich es Ihnen sofort mit ... auf dem bekannten Wege, und Sie sagen es dann den anderen.“