„Ces vauriens, ces malheureux!“[236] ... begann Stepan Trophimowitsch mit einer Stimme, die vor Unwillen bebte: diese widerliche Erinnerung preßte ihm qualvoll das Herz zusammen und er verlor sich darob wieder in Gedanken.
„Ach, sie ist schon fortgegangen,“ dachte er erstaunt, als er plötzlich bemerkte, daß sie nicht mehr neben ihm saß. „Sie geht ziemlich oft fort und scheint ja mit irgend etwas sehr beschäftigt zu sein; ich glaube, sie ist sogar aufgeregt ... Bah, je deviens égoïste!“[237]
Als er nach einiger Zeit aufsah, erblickte er wieder Anissim, diesmal aber mit einer geradezu bedrohlichen Gefolgschaft: das halbe Zimmer war von Bauern eingenommen, die alle Stepan Trophimowitsch nach Spassoff fahren wollten. Außer Anissim standen noch da: der Besitzer des Hauses, ferner der Mann, der ihn hergefahren hatte, sodann mehrere andere Männer – wie es sich herausstellte, lauter Fuhrleute – und ein kleiner halbbetrunkener Mensch, der am allermeisten sprach, wie ein Tagelöhner gekleidet war, doch mit seinem rasierten Gesicht wie ein heruntergekommener Kleinbürger aussah. Und alle die zankten sich seinetwegen, zankten sich um den armen Stepan Trophimowitsch! Der Besitzer der Kuh versicherte in einem fort, daß im Wagen längs dem Ufer mindestens „vierzig Werst Umweg“ zu machen seien, und daß man unbedingt mit dem Dampfer fahren müsse. Der halbbetrunkene Kleinbürger dagegen und der Hauswirt widersprachen eifrig:
„Darum daß wenn du, mein Bruderherz, Seiner Hochwohlgeboren auch sagst, daß es über’n See wohl näher is, so is das wie’s is, aber der Dampfer kommt doch nich!“
„Wird kommen, er wird sicher kommen, noch ’ne ganze Woche wird er kommen!“ beteuerte Anissim aufgeregt.
„Schön, er kommt, das is wie’s is, aber er kommt doch nie nich akkurat, und jetzt is doch die Zeit schon spät, und da kommt’s vor, daß man ihn in Ustjewo runde drei Tage nich sieht!“ schimpfte der Halbbetrunkene.
„Morgen wird er sicher kommen, morgen um zwei Uhr, und in Spassoff kommt dann der gnädige Herr gerade noch zum Abend an!“ rief Anissim.
„Mais qu’est-ce qu’il a cet homme?“[238] fragte Stepan Trophimowitsch, der nicht wußte, um was es sich handelte, sich schon das Schlimmste dachte und zitternd sein Schicksal erwartete.
Da drängten sich schließlich die Fuhrleute immer näher und boten sich an: bis Ustjewo verlangte jeder von ihnen drei Rubel. Die anderen schrien, drei Rubel seien wirklich nicht zu viel, da man den ganzen Sommer hindurch von hier bis Ustjewo für diesen Preis gefahren habe.
„Aber ... hier ist es ja auch gut ... Ich will gar nicht fort,“ stammelte Stepan Trophimowitsch abwehrend.