Stepan Trophimowitsch war plötzlich wie neu belebt: ein feines Spottlächeln glitt über seine Lippen.

„Mon père, je vous remercie, et vous êtes bien bon, mais ...“[277]

„Was ist da noch für ein mais, durchaus kein mais!“ fiel ihm Warwara Petrowna aufspringend erregt ins Wort. „Väterchen,“ wandte sie sich wieder an den Popen, „das, das ist solch ein Mensch, das ist solch ein Mensch ... nach einer Stunde wird man ihn noch einmal das Abendmahl nehmen lassen müssen! Sehen Sie, solch ein Mensch ist das!“

Stepan Trophimowitsch lächelte zurückhaltend.

„Meine Freunde,“ sagte er, „Gott ist mir schon deswegen unentbehrlich, weil er das einzige Wesen ist, das man ewig lieben kann ...“

Ob er nun in der Tat gläubig geworden war, oder ob die mächtige Zeremonie des letzten Abendmahls nur die künstlerische Empfänglichkeit seiner Natur angeregt hatte, – jedenfalls hat er noch mit fester Stimme und, wie man mir sagte, auch mit echtem Gefühl einige Gedanken ausgesprochen, die zu manchen seiner früheren Überzeugungen in geradem Widerspruch standen.

„Meine Unsterblichkeit ist schon deswegen notwendig, weil Gott doch nicht das Unrecht wird begehen wollen, das Feuer der Liebe, das einmal in meinem Herzen zu Ihm entbrannt ist, ganz auszulöschen. Was aber ist teurer als Liebe? Die Liebe steht höher als das Sein, die Liebe ist die Krone des Seins, wie sollte da das Leben ihr nicht untertan sein? Wenn ich Ihn jetzt lieben gelernt habe, und diese meine Liebe mir eine Freude ist – wie wäre es dann möglich, daß Er mich und meine Freude wieder auslöschte und uns in Nichts verwandelte? Wenn es einen Gott gibt, so bin auch ich unsterblich! Voilà ma profession de foi.“[278]

„Es gibt einen Gott, Stepan Trophimowitsch, ich versichere Ihnen, es gibt einen Gott,“ beschwor ihn Warwara Petrowna, „lassen Sie doch endlich Ihre Dummheiten, lassen Sie sie doch wenigstens einmal im Leben!“ (Sie hatte wohl seine profession de foi nicht recht verstanden.)

„Mein Freund,“ sagte er mit wachsender Begeisterung, wenn auch seine Stimme mehr und mehr versagte, „mein Freund, als ich begriff ... diese andere hingehaltene Backe, da ... begriff ich im selben Augenblick – noch manches. J’ai menti toute ma vie,[279] mein ganzes, ganzes Leben lang! Ich würde gern ... übrigens, morgen ... Morgen fahren wir alle ...“

Warwara Petrowna brach in Tränen aus. Er suchte jemanden mit den Augen.