„Stepan Trophimowitsch, man muß auf alles vorbereitet sein. Ich habe den Priester rufen lassen. Sie müssen Ihre Pflicht tun ...“
Da sie seine religiösen Überzeugungen kannte, so fürchtete sie sehr eine Absage. Er aber sah sie nur erstaunt an.
„Unsinn, Unsinn!“ rief sie erregt, denn sie glaubte schon, er wolle sich widersetzen. „Jetzt handelt es sich nicht mehr um Kindereien. Haben doch genug Dummheiten gemacht!“
„Aber ... bin ich denn wirklich schon so krank?“
Nachdenklich willigte er ein. Zu meiner nicht geringen Verwunderung erfuhr ich später von Warwara Petrowna, daß das Sterben ihn gar nicht geschreckt hat. Möglich, daß er einfach nicht an seinen Tod glaubte und die Krankheit nur für eine vorübergehende Erkältung hielt.
Er beichtete und nahm das Abendmahl – und zwar mit großer Bereitwilligkeit. Alle, auch Ssofja Matwejewna, die Wirtsleute und selbst die Dienstboten kamen, um ihn nach Empfang des heiligen Sakraments zu beglückwünschen. Alle ohne Ausnahme weinten still, als sie sein eingefallenes, müdes Gesicht sahen, und die bleichen, zuckenden Lippen.
„Oui, mes amis, und es wundert mich nur, daß ihr euch alle so ... sorgt. Morgen werde ich wahrscheinlich aufstehen, und wir ... fahren dann ... Toute cette cérémonie[276] ... der ich natürlich alles lasse, was recht und billig ist ... war doch ...“
„Ich würde Sie bitten, Väterchen, noch nicht fortzugehen,“ hielt Warwara Petrowna den Priester zurück, der sein Ornat schon ablegen wollte. „Könnten Sie nicht, wenn der Tee gebracht wird, mit ihm noch über Religiöses sprechen, um seinen Glauben zu stärken.“
Das tat der Priester denn auch; alle saßen oder standen in der Nähe des Kranken.
„In unserer sündigen Zeit,“ führte er aus, die Teetasse in der Hand und in singendem Tone, „ist der Glaube an den Allmächtigen die einzige Zuflucht des Menschengeschlechts, in allen Leiden und Nöten des Lebens, ganz wie die Zuversicht auf die ewige Seligkeit, die den Gerechten verheißen ...“