„Nun, setz dich, setz dich, brauchst nicht zu erschrecken. – Sieh mir noch einmal in die Augen, ganz offen! Warum wirst du rot? Dascha, komm her, sieh sie dir an: was glaubst du, hat sie ein reines Herz ...“

Und zu Ssofja Matwejewnas größter Verwunderung, vielleicht aber zu ihrem noch größeren Schreck, streichelte ihr Warwara Petrowna plötzlich die Wange.

„Schade nur, daß du dumm bist. Dümmer als es deinen Jahren ansteht. Gut, meine Liebe, ich werde mich deiner annehmen. Sehe schon, daß alles das Unsinn ist. Bleibe solange hier in der Nähe, man wird dir hier eine Wohnung mieten, – Kost und alles übrige bekommst du von mir ... bis ich dich rufen lasse.“

Ssofja Matwejewna versuchte erschrocken einzuwenden, daß sie fort müsse.

„Wohin? Deine Bücher kaufe ich dir alle ab, und du bleibst hier. Du hättest ihn doch, wenn ich nicht gekommen wäre, auch nicht verlassen?“

„Für keinen Preis hätte ich ihn allein gelassen,“ sagte Ssofja Matwejewna leise, doch mit fester Stimme und trocknete sich die Augen.

Doktor Salzfisch traf erst spät in der Nacht ein. Es war ein ehrwürdiger alter, kleiner Herr und ein recht erfahrener Arzt, der erst unlängst infolge eines ambitiösen Streites mit der ihm vorgesetzten Behörde seinen offiziellen Posten verloren hatte. In demselben Augenblick hatte Warwara Petrowna ihn aus allen Kräften zu „protegieren“ angefangen. Er untersuchte Stepan Trophimowitsch aufmerksam und gewissenhaft, fragte dies und das, und berichtete sodann Warwara Petrowna, daß der Zustand des Kranken „sehr bedenklich“ sei und daß man sich „auf das Schlimmste gefaßt machen“ müsse. Warwara Petrowna, die in den zwanzig Jahren sich von der Vorstellung völlig entwöhnt hatte, daß irgend etwas, das Stepan Trophimowitsch persönlich anging, ernst zu nehmen oder gar gefährlich sein könnte, war tief erschüttert und erbleichte sogar.

„Ist denn wirklich gar keine Hoffnung mehr?“

„Das ist nicht gesagt, denn Hoffnung ist nie ausgeschlossen, aber ...“

Warwara Petrowna wachte die ganze Nacht bei dem Kranken und konnte kaum den Morgen erwarten. Als Stepan Trophimowitsch die Augen aufschlug und zu sich kam (er war die ganze Zeit bei Besinnung, nur wurde er von Stunde zu Stunde schwächer), trat sie entschlossen zu ihm.